Sport : Der Geschichte verpflichtet

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Es ist ja nicht so, dass bei Borussia Mönchengladbach gerade akuter Mangel an schlechten Nachrichten besteht. Zusätzlich zur anhaltenden Sorge um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga erreichte den Klub gestern eine weitere traurige Kunde. Der Verein trauert um seinen früheren Präsidenten Helmut Beyer – einen Mann, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Helmut Grashoff entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Borussia in ganz Deutschland immer noch weit mehr Beachtung erfährt, als ihre graumäusige Gegenwart eigentlich verdienen würde.

Als Beyer 1962 Präsident wurde, war der Klub ein Nichts. Unglaubliche 30 Jahre blieb er im Amt, und obwohl bei seinem Abschied der Keim des sportlichen Niedergangs bereits gelegt war, hat Beyer mit Borussia Mönchengladbach eine Marke geschaffen, deren Kern selbst die Irrungen der jüngeren Vereinsgeschichte einigermaßen unbeschadet überstanden hat. In den goldenen Siebzigern stand der Klub sinnbildlich für die fußballerische Moderne, für bedingungslose Offensive und das eindeutige Bekenntnis zum Spektakel, für jugendlichen Elan und – ja – auch für nachhaltige Erfolge: In Beyers Amtszeit fallen fünf Meistertitel, zwei Uefa- Cup-Siege und ein Erfolg im DFB-Pokal.

Alles, was danach kam, war nur der untaugliche Versuch, den Lauf der Zeit zurückzudrehen. Auch die aktuelle Misere ist ohne die Erfolge der Vergangenheit nicht zu verstehen. Max Eberl, Borussias Sportdirektor, sehnt sich nach der Kontinuität, die seine Vorgänger früher ganz selbstverständlich gelebt haben. Trainerentlassungen waren bei den Gladbachern kein legitimes Mittel der Vereinsführung, zwischen 1964 und 1987 beschäftigte der Klub exakt drei Cheftrainer. In diesem Sinne ist Eberls Festhalten an Michael Frontzeck durch die eigene Historie mehr als gedeckt. Ob es auch sportlich sinnvoll ist, den erfolglosen Trainer immer weiter zu stützen, ist eine andere Frage.

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