Sport : Der Gewinner

David Odonkor gehört zum deutschen Kader

Felix Meininghaus

Dortmund - Seine Mannschaftskollegen bei Borussia Dortmund rufen David Odonkor bei seinem Spitznamen: Ben Johnson. Nicht etwa, weil er wegen der Einnahme verbotener Substanzen aufgefallen wäre. Wer Odonkor spielen sieht, ahnt, woher die Analogie mit dem kanadischen Sprinter rührt: Der 22-jährige Außenstürmer ist schnell wie kaum ein anderer Fußballer. „Er bringt etwas mit, das wir dringend benötigen: Schnelligkeit und Beweglichkeit“, lobte Bundestrainer Jürgen Klinsmann, als er Odonkor überraschend für die WM nominierte.

Seine Vorstöße an die Grundlinie haben nicht nur Dortmunds Mannschaftsleitung beeindruckt. Dieter Eilts, Trainer der U-21-Nationalmannschaft, war so angetan, dass er im Gespräch mit Klinsmann nur lobende Worte über den inzwischen 22-Jährigen fand. „Die Schnelligkeit ist mir angeboren“, erzählt Odonkor. „Ich musste nie etwas dafür tun.“

Kritiker hielten Odonkor lange vor, dass er an seine Grenzen stoße, wenn der Ball ins Spiel komme. Deshalb feilte BVB-Trainer Bert van Marwijk in hunderten Trainingseinheiten an der Schusstechnik seines Schützlings. In der Rückrunde reifte Odonkor zum Leistungsträger. 229 hereingegebene Flanken bedeuten in der abgelaufenen Saison einen einsamen Rekord, Stuttgarts Grönkjaer folgt mit 115 Flanken weit abgeschlagen. Doch die Statistik offenbart auch Defizite: In 73 Bundesligapartien gelangen ihm lediglich zwei Treffer. Ist das für einen Mann mit seinen Möglichkeiten nicht zu wenig? „In der E-Jugend habe ich mal 66 Tore in einer Saison gemacht“, antwortet Odonkor dann grinsend.

David Odonkor wurde als Sohn eines ghanaischen Vaters und einer deutschen Mutter im ostwestfälischen Bünde geboren. Seine Kindheit in der Provinz beschreibt er als „glücklich und geborgen“. Fußball spielte schon früh die wichtigste Rolle, Odonkor fing bei den Dorfvereinen SV Holsen-Ahle und Bünder SV an. Rasch wurden die Späher von Borussia Dortmund auf ihn aufmerksam, mit 14 wechselte er zum BVB. In seiner Familie war das umstritten, weil die Mutter die langen Fahrstrecken scheute.

Seine Schnelligkeit hält BVB-Trainer van Marwijk für eine „unglaubliche Waffe“. Allerdings hatte Odonkor Schwierigkeiten, die Bodenhaftung zu bewahren, als er vor vier Jahren erstmals ins Rampenlicht sprintete. „Damals hat er sich wesentlich weiter gesehen, als er war“, sagt Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Diverse Verletzungen sorgten dafür, dass Odonkor den zweiten Aufstieg behutsamer anging.

In der Nationalmannschaft ist der Neuling in der Rolle des Vorbereiters gefragt. „Nach dem Verlust von Sebastian Deisler kann er uns im rechten Mittelfeld weiterhelfen“, erläuterte Klinsmann. „Ich bin vollkommen sprachlos“, sagte Odonkor, als er von Klinsmann telefonisch in Kenntnis gesetzt worden war. Eigentlich hatte sich der Stürmer darauf eingestellt, mit der U-21-Nationalmannschaft die Europameisterschaft in Portugal zu bestreiten. Nun darf er über die Weltbühne sprinten.

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