Sport : Der Glaube zählt

Bei den German Open scheitern die Deutschen teils nur knapp an den Chinesen

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Schlagfertig. Von den Erfolgen seines Gegners ließ sich Dimitri Owtscharow in Berlin nicht einschüchtern und gewann die...dpa

Berlin - Einige dramatische Tischtennis-Duelle haben die German Open in der Max-Schmeling-Halle schon erlebt, aber eines wird ihnen an diesem Sonntag, dem Finaltag, fehlen: deutsche Beteiligung. Drei Aufrechte waren es, die am Samstag noch im Wettbewerb waren. Nach dem Achtelfinale dann noch zwei, nachdem Christian Süß gegen den Chinesen Zhang Jike ausgeschieden war. Eine Runde später erwischte es dann auch Timo Boll und Dimitri Owtscharow.

Es war das Ende eines kleinen Länderkampfes zwischen Deutschland und China, der am Samstag mit einem furiosen Spiel begonnen hatte. Der 21 Jahre alte Owtscharow gewann gegen den ein Jahr jüngeren Xu Xin 4:3. Xu Xin war jüngst in der internen Ausscheidung der Chinesen für die Mannschafts-Weltmeisterschaft Ende Mai in Moskau erfolgreich und hatte danach seinen ersten Pro- Tour-Sieg bei den Kuwait Open gelandet. Die Art und Weise, wie Owtscharow in Berlin auftrat, begeisterte die 4400 Zuschauer in der Halle. „Ich habe immer an meine Chance geglaubt“, sagte Owtscharow nach diesem Match und fügte hinzu: „Ich glaubte, das ist das Wichtigste gegen die Chinesen. Dranbleiben und dokumentieren: Ich will gewinnen.“

Dass ihm mit Ma Long im Viertelfinale der besten Acht daraufhin der nächste Chinese und der Weltranglistenerste gegenüberstand , mögen manche als Pech beklagen. Nicht so Owtscharow. „Man hat in jedem Spiel seine Chance“, sagte er vorher und behielt diesmal nicht Recht. Denn Ma Long ist in der Form, die er bisher bei den German Open zeigt, einfach der beste und kompletteste Tischtennisspieler der Welt. Sein Arm ist so schnell wie der keines Konkurrenten, seine Schläge sind äußerst hart und präzise. Das 4:0 gegen einen durchaus gut spielenden Owtscharow war nicht deklassierend, aber es sprach eine deutlich Sprache. So hatte denn die Gratulation des Chinesen nach dem Match, als er seinen Arm um die Schulter des einen Kopf größeren Deutschen legte, fast etwas Tröstendes. Als wolle er sagen, „Junge, mach weiter so, du packst es.“

In der Tat waren Owtscharows Auftritte und auch die von Bastian Steger, Patrick Baum, Christian Süß mehr als nur ein Hoffnungszeichen für die deutschen Spieler. „Wir sind gar nicht so weit weg von China, das uns freilich in den entscheidenden Dingen immer noch etwas voraus hat“, resümierte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Oft seien es Kleinigkeiten, an denen es hänge. „Gegen Chinesen gewinnst du nur, wenn du daran glaubst, dass du gewinnen kannst“, sagt Roßkopf. Wenn es dann nicht passiert, dürfe es einen nicht umwerfen, sondern dann heiße es: Dann eben beim nächsten Mal.

Exakt das ist die sportliche Maxime von Deutschlands Nummer eins Timo Boll. Nach Berlin war er nach vorausgegangener Verletzung nicht in Topform gekommen. Nach einem Sieg im Achtelfinale gegen den Tschechen Petr Korbel gab es am Samstagabend den ersten richtigen Härtestest für den zehnfachen Europameister. Kontrahent war der Chinese Chen Qi, der in zuvor sieben Duellen mit Boll viermal das bessere Ende für sich hatte. Auch diesmal war es eng, es ging über alle sieben Sätze – und den letzten gewann Chen 13:11. Dennoch war Boll „nicht unzufrieden“. Nur solche Vergleiche bringen ihn weiter. „Ich will hier nicht nur mithalten und Trainingsspiele machen, ich will gewinnen“, wiederholte er nach der 3:4-Niederlage. Das sei diesmal zwar nicht gelungen, „dafür waren es ein paar einfache Fehler zu viel“. Aber angesichts der Umstände sei er eben noch nicht bei 100 Prozent.

Das war fast so etwas wie eine Metapher für den nun definitiv entschiedenen Ausgang dieses deutsch-chinesischen Länderkampfes. Die Chinesen sind bei 100 Prozent, die Deutschen dagegen bei 90. Aber es scheinen zuletzt wieder ein paar Prozentpunkte dazugekommen zu sein.

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