Sport : Der Größte seit Beckenbauer

Trainer Ancelotti bringt Paris Saint-Germain Glanz – nicht zur Freude aller.

Matthias Sander
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Berlin - Seit einem halben Jahr macht Paris Saint-Germain vieles anders als die heimische Konkurrenz. So auch in der kurzen französischen Winterpause: Viele Vereine fahren nicht ins Trainingslager (wie Vorjahresmeister Lille) oder verbringen nur ein paar Tage auf Korsika (wie Lyon). PSG aber flog für vier Trainingseinheiten nach Doha, in die Heimat seiner neuen katarischen Eigentümer. Heute zieht der Tross nach Dubai weiter – für die fünfte Trainingseinheit und das morgige Testspiel gegen den AC Mailand. Gegen einen Verein also, der fast so konstant Meisterschaften und Champions-League-Titel sammelt, wie Paris in den letzten Jahren im Niemandsland der Tabelle landete. So ein Klub wie der AC will Paris werden: ein ganz großer, und zwar möglichst schnell.

Den standesgemäßen Trainer dafür haben sie nun. Es ist praktischerweise derjenige, mit dem die Mailänder zuletzt ihre größten Erfolge feierten: Carlo Ancelotti. Mit dem AC gewann er zwei Mal die Champions League, danach mit dem FC Chelsea das Double, bevor er dort 2011 am Ende seiner zweiten, titellosen Saison entlassen wurde. Der 52-jährige Italiener ist also schon ein ganz Großer. Das gab’s in der Ligue 1 zuletzt vor zwei Jahrzehnten, als Weltmeister-Trainer Franz Beckenbauer kurzzeitig bei Olympique Marseille anheuerte.

Nach Rekordtransfers für 85 Millionen Euro im letzten Sommer befördert der Fonds Qatar Sports Investments Paris Saint-Germain abermals in eine neue Dimension. Sechs Millionen Euro jährlich soll Ancelotti in den kommenden zweieinhalb Jahren erhalten, so viel wie kein Trainer in Frankreich vor ihm. Ein Novum war es auch, dass Ancelottis Vorgänger Antoine Kombouaré als Herbstmeister gehen musste. Seit 15 Jahren stand Paris zur Winterpause nicht mehr auf dem ersten Platz, und unter dem ehemaligen PSG-Spieler Kombouaré gewannen die nach Titeln lechzenden Pariser 2010 immerhin mal wieder den Pokal. Nicht nur der Präsident der Trainergewerkschaft Joël Muller fragte deshalb: „Ist Kombouaré nicht glamourös genug, nicht promihaft genug, bringt er nicht genug Leistung?“ Die Antwort dürfte aus Sicht der Kataris dreimal Ja lauten. Denn sie wollen Spektakel.

Mit Ancelotti sollen in der Winterpause noch einige Spieler mit klangvollen Namen nach Paris gelockt werden. Zwar kommt der Transfer von David Beckham, von französischen Medien als perfekt verkündet, aber nie vom Verein offiziell bestätigt, scheinbar nicht zustande. Aber Ancelotti sei sowieso ein anderer offensiver Mittelfeldspieler lieber, meldet die Sportzeitung „L’Équipe“: der Brasilianer Kaká, den er schon in Mailand trainierte. Auch an Carlos Tévez von Manchester City sowie Florent Malouda und Salomon Kalou von Chelsea soll PSG interessiert sein. Während Vereine wie Marseille und Lyon sparen, macht es Paris mal wieder anders.

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