Sport : Der große Knall am Ende

Christian Hönicke

Wie in jedem praktisch abgeschlossenen System löst eine Aktion in der Formel 1 meist eine Kettenreaktion aus. Ein Anstoß – etwa ein Fahrerwechsel – zieht im hermetischen Grand-Prix-Kosmos zwangsweise weitere Ereignisse nach sich. Am Montag wurde scheinbar kräftig angestoßen: Weltmeister Fernando Alonso wird zur Saison 2007 von Renault zu McLaren wechseln. Im künftigen Rennstall des Spaniers kommen eigentlich nur zwei Reaktions-Szenarien in Frage. Das erste beinhaltet den Abgang des bisweilen glücklosen Kolumbianers Juan Pablo Montoya, der in der abgelaufenen Saison selten eine Chance gegen seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen hatte. Alonso und Räikkönen würden 2007 dann eine ähnlich überragende Fahrerpaarung bieten, wie sie McLaren schon Ende der Achtzigerjahre mit Ayrton Senna und Alain Prost hatte. Dafür spräche die leise Andeutung von Ron Dennis, der davon träumt, dass „2007 möglicherweise zwei Weltmeister“ für sein Team fahren werden. Angesichts der vergangenen Saison kann man nur mit viel Fantasie an einen Weltmeister Montoya denken.

Die trotzdem wahrscheinlichere Variante ist, dass Räikkönen McLaren verlässt und das Team mit der für Formel-1-Verhältnisse sehr frühen Bekanntgabe der Verpflichtung Alonsos einer Bloßstellung zuvorkommen wollte. Ferraris Teamchef Jean Todt hat Räikkönen im Zusammenhang mit einem möglichen Nachfolger des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher bereits mehrmals erwähnt – zudem kursieren seit einiger Zeit Gerüchte, wonach Räikkönen bereits einen Vorvertrag bei den Italienern unterschrieben haben soll. In diesem Fall wäre Alonso nicht Auslöser der Kettenreaktion, sondern der große Knall an deren Ende. Der Auslöser könnte Schumachers Vertrag bei Ferrari sein, der nach der Saison 2006 endet. Mitte des kommenden Jahres will der 36-Jährige verkünden, ob er weiterfährt oder seine Karriere beendet. Vielleicht hat der gestrige Tag einen Hinweis darauf gegeben, wie Schumachers Entscheidung ausfallen wird.

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