Der Große Preis von Indien : Formel 1 als Privatvergnügen der Reichen

Der Ruf der Formel 1 scheint in Indien ruiniert. Der Große Preis von Indien am Sonntag lockt nur wenige Menschen an. Holt Sebastian Vettel seinen vierten Weltmeistertitel vor fast leeren Rängen?

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Einsame Runden. Sollte Sebastian Vettel in Indien seinen vierten WM-Titel holen, findet die Siegesfeier womöglich vor leeren Rängen statt. Foto: dpa
Einsame Runden. Sollte Sebastian Vettel in Indien seinen vierten WM-Titel holen, findet die Siegesfeier womöglich vor leeren...Foto: dpa

Sebastian Vettel und der Große Preis von Indien – das passt. Seit das Rennen 2011 zum ersten Mal ausgetragen wurde, gewann der deutsche Formel-1-Weltmeister alle Duelle und lag dabei sogar jede einzelne Rennrunde in Führung. So auch am Freitag, am ersten Trainingstag für das Rennen am Sonntag (10.30 Uhr, live bei RTL und Sky), das ihm seinen vierten Weltmeistertitel einbringen soll, lag der Heppenheimer erneut souverän an der Spitze.

Dem Red-Bull-Piloten würde beim 16. von 19 Rennen ein fünfter Platz in jedem Fall zum vorzeitigen Titelgewinn reichen. Selbst wenn Vettel in Indien nicht in die Punkte fährt, müsste sein ärgster Konkurrent Fernando Alonso schon mindestens Zweiter werden, um die Entscheidung noch einmal aufzuschieben.

Die Kisten, in denen Vettels Rennstall die neuen Weltmeister-T-Shirts nach Indien gebracht hat, können also bis zum Sonntag schon mal vorsichtig geöffnet werden. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem letzten Schritt zum Gipfel doch noch etwas schief geht, scheint äußerst gering. Und so wird Vettel die Titelentscheidung wohl auch nicht absichtlich noch ein bisschen hinausschieben, nur weil es sich in einer Woche bei dem Rennen in Abu Dhabi vielleicht besser feiern ließe – auch wenn ihm Kollege Timo Glock kürzlich genau dazu geraten hatte.

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Auch letztes Jahr durfte Vettel die Weltmeisterschaft feiern...sowie natürlich in den zwei Jahren davor. Jetzt ist er wohl an Schampus und Podien gewöhnt. Doch der Weg zu diesem Moment war lang. Foto: dapdAlle Bilder anzeigen
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27.10.2013 12:26Auch letztes Jahr durfte Vettel die Weltmeisterschaft feiern...sowie natürlich in den zwei Jahren davor. Jetzt ist er wohl an...

Sebastian Vettel ist es hingegen herzlich egal, wo und wann er Weltmeister wird – gerne also auch an diesem Wochenende in Indien. Bereits rund um das Rennen 2011 ist der 26-Jährige auch abseits der Strecke unterwegs gewesen, beschäftigte sich mit den Menschen, der indischen Kultur – und erntete dafür sehr viel Sympathie.

Nach 2010 in Abu Dhabi, 2011 in Japan und 2012 in Brasilien wäre Indien das vierte Land, in dem Vettel den Weltmeistertitel erringen kann. Doch bei allen positiven Erfahrungen wäre es ein Titelgewinn an einem Ort, an dem die Formel 1 wohl nur ein kurzes Zwischengastspiel geben wird. Dem Motorsportevent in Indien war es nie wirklich gelungen, sich in dem Rennkalendar zu etablieren. Nur 20.000 Karten sind in diesem Jahr für den Rennsonntag bisher verkauft worden, die Wahrscheinlichkeit, dass die WM-Feier für Vettel und Red Bull vor halbleeren Tribünen stattfindet, ist daher groß.

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„Es sollte doch eigentlich gar kein Problem sein, hier 100.000 Leute an die Strecke zu bringen“, sagt die Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn, die wegen ihrer indischen Wurzeln mit den lokalen Verhältnissen bestens vertraut ist. „Aber irgendwie haben wir es nicht geschafft, das Interesse aus dem ersten Jahr weiterzuentwickeln und darauf aufzubauen.“ Dass es daran liege, dass die Formel 1 für die breite Masse der Inder einfach viel zu weit von der normalen Lebenswirklichkeit entfernt und auch viel zu teuer sei, lässt Kaltenborn nicht gelten: „Wir sind auch in anderen Ländern nicht unbedingt ein Sport für die große Masse.“

Die ständigen internen Streitigkeiten zwischen lokalem Veranstalter und Regierung, wie Visaproblemen für die Fahrer und nicht zuletzt einem unsäglichen Steuerstreit, der beinahe zur Absage des Rennens geführt hatte, lassen kaum darauf hoffen, dass das Rennen nach der schon angekündigten Aussetzung im nächsten Jahr noch einmal stattfinden könnte.

Selbst der indische Rennstall Force India trägt nicht unbedingt zu einem besseren Bild der Formel 1 in Indien bei. Zu offen stellt Miteigentümer und Multi-Millionär Vijay Mallya seinen Reichtum zur Schau, zu ausschweifend sind seine Partys – wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem seine Fluglinie Kingfisher Pleite geht und die Beschäftigten monatelang unbezahlt bleiben. Für die meisten Inder bleibt die Formel 1 damit das Privatvergnügen der Reichen, die ihr Geld zum Fenster hinauswerfen. Daran kann wohl auch ein Sebastian Vettel nichts mehr ändern.

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