Sport : Der große Tag des Debütanten

Der US-Golfer Ben Curtis gewinnt die British Open

Thomas Lötz

Sandwich . Nur ausgesuchten Golf-Experten war der Name Ben Curtis zu Beginn der 132. British Open ein Begriff: ein überdurchschnittlicher Amateur, Team-Weltmeister sogar, der vor zweieinhalb Jahren ins Profilager gewechselt war. Viel hatte der 26-jährige US-Amerikaner mit Geburtsort Ohio in der Eliteklasse bisher nicht erreicht. Über die Qualifying-School in diesem Jahr als Rookie auf der US-PGA-Tour gelandet, war seine beste Platzierung vor zwei Wochen ein geteilter 13. Rang bei der Western Open in der Nähe von Chicago. Diese ansprechende Leistung brachte Curtis die direkte Qualifikation für das älteste Majorturnier der Welt, zu seinem ersten Auftritt bei einem der großen vier Turniere überhaupt. Und die Sensation wurde perfekt: Der Debütant gewann auf dem schwierigen Par-71-Linkskurs des Royal St. George’s Golf Club.

Als Curtis gegen halb sieben Uhr abends die berühmte Siegertrophäe „Claret Jug“ und den Siegerscheck in Höhe von über einer Million Euro in Empfang nahm, hatten die USA einen neuen Golfhelden. Denn mit diesem prestigeträchtigen Triumph erspielte sich der Twen die Spielberechtigung auf der US-Tour für zehn Jahre und die lebenslange Teilnahme an jedem der vier Majorturniere.

Es gab gestern aber auch ein Drama um Thomas Björn. Als der Däne in die Runde startete, lag er als Einziger der 73 Akteure unter Par. Im maximalen Abstand von zwei Schlägen auf Björn lauerten die vier Amerikaner Curtis, Davis Love, Tiger Woods, Kenny Perry und der Spanier Sergio Garcia. Kollegen also, die – mit Ausnahme von Curtis – allesamt in den Top 15 der aktuellen Weltrangliste rangieren, in der Björn die Nummer 46 ist.

Zunächst schien der Druck, den diese geballte Formation auf Björn auübte, zu groß für den 32-Jährigen zu sein. Er begann seine Runde so schlecht wie keine der drei zuvor: mit einem Bogey. Bis dato hatte der Däne die ersten drei Löcher immer Par gespielt - unabhängig von den mitunter doch sehr unterschiedlichen äußeren Einflüssen durch Wind, Nässe oder Hitze. Am vierten Loch konnte Björn diesen Schlagverlust mit einem Birdie ausgleichen. Nach sieben Löchern lag Björn 3-unter fürs Turnier - und sollte es so laufen wie in den beiden Runden zuvor, dann würde Björn nur noch Par spielen. Gemeinsam mit dem Dänen lag Curtis in Führung, der urplötzlich mit drei Birdies in Folge an Loch neun, zehn und elf davonzog, um sich dann allerdings mit Bogeys auf 12, 14, 15 und 17 zwei Schläge hinter Björn zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt waren Woods und Singh noch im Rennen. Woods verabschiedete sich an Loch 17, Singh sollte seine Chance am letzten Loch vergeben.

Björns erster Majortitel schien also nur noch eine Frage des Aussitzens zu sein. Doch auf der 16. Spielbahn landete Björn mit seinem Drive im Bunker, aus dem heraus aufs Grün er drei Schläge und einen Putt benötigte. Diesen Rückstand konnte er auf den letzten beiden Löchern nicht mehr aufholen. Der Weg für Curtis war frei.

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