Sport : Der große Tag soll noch kommen

Nach dem dritten Platz über 1000 Meter will Friesinger nun über 1500 Meter Gold – Pechstein pausiert

Christiane Mitatselis[Turin]

Am Mittwoch hofft Anni Friesinger auf ihren großen Tag bei den Spielen von Turin. Schließlich ist die Eisschnellläuferin aus Inzell dann über die 1500-Meter-Strecke die Favoritin. Eine Goldmedaille ist das erklärte Ziel von Friesinger – so wie das schon vor dem olympischen 1000-Meter-Rennen der Fall war. Am Sonntag allerdings musste Friesinger mit Platz drei zufrieden zu sein. „Ich habe Bronze gewonnen und nicht Gold oder Silber verloren“, verkündete sie. Das Lächeln kam ihr trotzdem ein wenig gequält über die Lippen. Friesinger war zuvor in dieser Saison unbesiegt gewesen über die 1000 Meter, kurz vor den Spielen hatte sie gar einen inoffiziellen Freiluftweltrekord aufgestellt. Und nun das: Im „Oval Lingotto“ bei den Winterspielen in Turin, im wichtigsten 1000-Meter-Rennen des Winters, belegte sie nur Rang drei hinter Goldmedaillengewinnerin Marianne Timmer aus Holland und der Kanadierin Cindy Klassen, die Silber holte – Läuferinnen, die auf dieser Strecke in den vergangenen Monaten kaum in Erscheinung getreten waren.

Bislang also gab es für die deutschen Frauen – abgesehen vom Gold im Team-Wettbewerb – noch nicht die erhofften Erfolge. Und beim 1500-Meter-Rennen ist wohl Friesinger die einzige Deutsche mit Chancen auf eine Medaille. Denn die Team-Olympiasiegerinnen Claudia Pechstein und Sabine Völker haben ihre Teilnahme am Rennen am Mittwoch abgesagt. „Aus medizinischer Sicht ist ein Start von Claudia nicht zu verantworten. So haben wir uns in Absprache mit dem Arzt für den Verzicht entschieden“, erklärte ihr Trainer Joachim Franke. „Es geht Claudia wieder besser, aber eine intensive Belastung auf den 1500 Metern würde ihren Start über 5000 Meter am Samstag arg gefährden“, sagte Team-Arzt Volker Smasal. Auf der langen Strecke möchte Pechstein im letzten Eisschnelllauf-Rennen der Spiele von Turin zum vierten Mal hintereinander siegreich sein. Seit einer Woche klagt die 33-jährige Berlinerin über Husten und Heiserkeit auf Grund von Atemweg-Problemen. Sabine Völker hatte am Sonntag als 21. im 1000-Meter-Rennen enttäuscht. Ein Start der formschwachen Erfurterin über 1500 Meter hätte laut Cheftrainer Helmut Kraus keinen Sinn gemacht. Neben Anni Friesinger (Inzell) und Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) kommt nunmehr Lucille Opitz (Berlin) über 1500 Meter zum Einsatz.

Friesinger war am Sonntag enttäuscht. „Ich habe mein Bestes gegeben, es war sehr eng“, sagte Friesinger. Wirklich sehr eng: Nur sechs Hundertstelsekunden lag die 29-Jährige mit ihrer Zeit von 1:16:11 Minuten hinter Timmer, und nur zwei Hundertstel hinter Klassen. Friesingers Konkurrentinnen mussten am Sonntagnachmittag vorlegen, die Deutsche ging zusammen mit Sabine Völker aufs Eis. Friesinger startete dynamisch, auf den letzten Metern jedoch, das konnte man unschwer erkennen, fehlte ihr die Kraft, ihre Schritte wurden schwer.

Die Erklärung dafür liegt auf der Hand. Friesinger hatte am Mittwoch und Donnerstag insgesamt drei Läufe mit je sechs Runden im Teamwettbewerb absolviert, in dem sie zusammen mit Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms Gold gewonnen hatte. Timmer war gar nicht in der Mannschaft angetreten, Klassen hatte nur zwei Läufe bewältigen müssen. „Das war mit dem Trainer so abgesprochen, da mein Terminplan hier so voll ist“, berichtete die Kanadierin, die wie Friesinger in Turin noch die 1500 Meter am Mittwoch und die 5000 Meter am Samstag in Angriff nehmen will. mit dpa

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