Sport : Der große Unbekannte

Obwohl der Basketballer Kevin Rankin 2,10 Meter misst, fällt er bei Alba Berlin nur selten auf

Benedikt Voigt

Berlin. Eigentlich hatte Kevin Rankin am jüngsten Treffen mit den Alba-Fans großen Spaß. „Ich habe das zum ersten Mal gemacht“, sagt der Basketballer von Alba Berlin. Bei den Vereinen, bei denen er zuvor beschäftigt war, hatte es einen monatlichen Stammtisch von Spielern und Fans nicht gegeben. Mit einer Frage stellten die Alba-Anhänger den US-Amerikaner mit dem türkischen Pass jedoch vor ein Problem, weil er nicht zufriedenstellend antworten konnte. „Sag’ mal“, hatte sich einer gewundert, „was machst du eigentlich bei Alba Berlin?“.

Kevin Rankin ist immer noch der große Unbekannte von Alba Berlin, dabei weilt er bereits seit Ende September bei den Berlinern und ist mit 2,10 Meter Körpergröße eigentlich nicht zu übersehen. Doch wenn Alba spielt, sitzt der Power Forward die längste Zeit auf der Bank und sieht plötzlich ganz klein aus. Wenn er sich denn aufrichten und auf das Parkett gehen darf, muss er spätestens nach zehn Minuten wieder runter. In der Bundesliga macht er in dieser Zeit durchschnittlich 2,7 Punkte und holt zwei Rebounds. So einer fällt nicht auf.

„Ich weiß auch nicht, warum ich so wenig spiele“, sagt Kevin Rankin und verzieht das Gesicht. So oft grübelt er über seine geringe Einsatzzeit, dass seine Frau bereits genervt ist. Er solle sich mal mit einem anderen Thema beschäftigen, sagt sie. Er aber kann nicht anders, er ist 31 Jahre alt und Basketballprofi. Heute im Bundesligaspiel gegen TXU Energie Braunschweig (Max-Schmeling-Halle, 14.55 Uhr, live im DSF) hofft Kevin Rankin auf ähnlich viel Spielzeit wie zuletzt in Leverkusen, als er in 16 Minuten fünf Punkte machte, sieben Rebounds holte und gut verteidigte. Zumal der Einsatz von Centerspieler Jovo Stanojevic noch fraglich ist. „Wenn er spielt, dann wird er uns noch nicht viel helfen können“, sagt Trainer Emir Mutapcic.

Zweimal unterhielten sich Trainer und Spieler, zufriedenstellend fand Rankin die Gespräche nicht. „Da muss etwas sein“, rätselt er. „Er weiß, dass er nicht als erster Center verpflichtet wurde“, erklärt Emir Mutapcic, „er muss mehr tun als nur offiziell trainieren.“ Inzwischen ist Rankin unter den langen Leuten auf Nummer vier bis fünf zurückgefallen. Teoman Öztürk (Mutapcic: „Deutsche Spieler haben eine andere Rolle als ausländische“) und Guido Grünheid (Mutapcic: „Er ist unsere Zukunft“) spielen vor dem Mann aus Chicago. Quadre Lollis und Jovo Stanojevic gelten ohnehin als gesetzt.

Inzwischen beginnt Rankin sogar Gespräche mit Sportjournalisten mit den Worten: „Hallo, ich bin Kevin Rankin und spiele für Alba.“ Kann ja nicht jeder wissen.

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