Sport : Der große Verlierer

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Benedikt Voigt über den SkisprungBundestrainer Wolfgang Steiert

Gegen Ende musste sich Wolfgang Steiert sogar Widerworte anhören. „Die Anlaufgeschwindigkeit war an der Kotzgrenze“, hatte der deutsche Skisprung-Bundestrainer in Innsbruck gesagt. Damit kritisierte er nicht etwa das schwache Abschneiden seiner Skispringer bei der Vierschanzentournee, sondern eine Entscheidung der Jury, den Anlauf zu verkürzen. „Da muss ich widersprechen“, sagte RTL-Experte Dieter Thoma plötzlich live im Fernsehen, „die Bedingungen waren für alle gleich.“ Beleidigt wandte sich Steiert ab und blickte unbeteiligt aus dem Fenster des RTL-Fernsehstudios.

Wolfgang Steiert ist der große Verlierer dieser Vierschanzentournee. In seiner neuen Funktion als Cheftrainer der Skispringer brockte er dem Deutschen Skiverband die schlechteste Bilanz bei der Vierschanzentournee seit der Saison 1991/92 ein. Immer noch wartet er auf den ersten Weltcup-Sieg unter seiner Regie. Doch nicht nur die sportliche Bilanz spricht gegen den 40-Jährigen. Auch in der Außendarstellung beging er Fehler. Erst schürte er mit großspurigen Erklärungen die Erwartungen. „Es sind Dinge möglich, von denen wir jetzt noch träumen“, sagte er vor der Tournee. Als die Spitzenergebnisse nicht eintrafen, spielte er den schlechten Verlierer. Meistens waren die äußeren Bedingungen schuld am schwachen Abschneiden, meistens hatte der Sieger Sigurd Pettersen eine außergewöhnlich gute Brise von unten erwischt. Bei der Halbzeitpressekonferenz des DSV las er auf dem Podium unter dem Tisch die „Super-Illu“.

Steiert redet seine Bilanz mit dem Hinweis auf das geschlossene Mannschaftsergebnis schön. „Wir haben die beste Mannschaft der Welt, weil wir drei Springer unter den ersten elf haben“, sagt der Bundestrainer. Aber seit wann ist Skispringen ein Mannschaftssport? Lediglich bei den Olympischen Spielen oder bei Weltmeisterschaften gibt es einen Teamwettbewerb. Bei der Vierschanzentournee zählt das Abschneiden des Einzelnen. Im übrigen belegte das deutsche Team bei der Vierschanzentournee sogar in der – inoffiziellen – Mannschaftswertung nur Rang drei. Wenigstens kann es sich Steiert als sein Verdienst anrechnen lassen, Georg Späth, Michael Uhrmann und Maximilian Mechler näher an die Weltspitze herangeführt zu haben.

Doch der Druck auf Wolfgang Steiert steigt weiter an. Spätestens bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica muss er ein gutes Ergebnis holen. Denn letztlich war es vor allem die schwache Leistung der deutschen Skispringer bei der WM in Predazzo, die seinen Vorgänger Reinhard Heß das Amt kostete. DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller sagt: „Steiert steht noch nicht so über den Dingen, aber er ist auf dem Weg ein Spitzenmann zu werden.“ Die Frage ist nun, wie lang dieser Weg ist.

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