Sport : Der gute, alte Mann

Rostocks neuer Stürmer Martin Max kann nicht anders: Auch mit 35 Jahren schießt er Tor um Tor

Dirk Böttcher

Rostock. Sein Stürmerkollege Rade Prica, er war gerade elfmeterreif von den Beinen geholt worden, lag noch am Boden, da atmete Martin Max zum ersten Mal tief durch. Er legte den Ball auf den Strafstoßpunkt und trat zur Pflichtübung an. Die 65. Minute – Max nahm drei Schritte Anlauf, dann lag Eintracht-Torhüter Nikolov in der einen und der Ball in der anderen Ecke des Tores. Der Schwede Rade Prica lobte den Torschützen später: „Martin ist gut bei Elfmetern.“ Es war das 3:0 der Rostocker gegen desolate Frankfurter, und an der Anzeigetafel prangte dreimal derselbe Name: Max. Und dann passierte noch etwas, das den 35 Jahre alten Max gefreut haben dürfte: Kurz nach dem verwandelten Strafstoß wurde das 0:3 von 1860 München in Dortmund eingeblendet. In München wollten sie den alternden Stürmer nicht mehr haben.

Nach drei Spieltagen hat Max bereits vier Saisontreffer erzielt – genauso viele wie Dortmunds Stürmer Amoroso. Insgesamt hat Max 111 Bundesliga-Tore geschossen. 111-mal hat er mit der richtigen Härte oder dem richtigen Effet mit dem Fuß den Ball getreten oder den Kopf im richtigen Moment hingehalten, 111-mal hat er sich genau im richtigen Moment freigelaufen und dann genau richtig reagiert. Für einen wie Max sollte das Toreschießen längst Routine sein. Aber das ist es nicht.

Doch der alte Mann will kein alter Mann sein. Im Gegenteil, über den Sieg in Rostock freute er sich wie ein kleiner Junge. Nach seinem verwandelten Elfmeter legte er noch einmal zu, steckte noch mehr Energie in das Spiel. „Nach den drei Toren war ich so aufgeregt, da musste ich auch noch die Freistöße machen“, erzählte Max. Es klang so, als spreche da einer stolz von seinem ersten Bundesligaspiel.

In Rostock sangen 20 000 Fans: „Martin Max, du bist der beste Mann.“ Und der Gefeierte stellte glücklich fest: „Die Bundesliga ist eine Droge, davon kommst du nicht los.“ Weil er nicht loskommt, ist er noch einmal nach Rostock gegangen. Toreschießen im Abstiegskampf – das ist ihm wichtiger als Geldverdienen im Wüstensand.

Hansa-Trainer Armin Veh holte Max, weil „er fit ist und nicht wie andere seines Alters ihre Karriere einfach auslaufen lassen“. Erst lange nach dem Schlusspfiff gab Max auf. „Leute, ich kann nicht mehr“, sagte er den Reportern. Sie stellten immer die gleichen Fragen: Ob er Torschützenkönig werden wolle? „Das war klar, dass diese Frage jetzt kommt.“ Gegen Frankfurt drei und beim nächsten Spiel in Hannover vier Tore? „Was soll ich dazu sagen?“ Und was wünscht sich einer wie er für die Zukunft? „Gesundheit.“ Das wäre wichtig in seinem Alter. Dann bat er: „Jetzt lasst mich mal duschen.“

Eigentlich dürften solche Tage nie vorbeigehen. Irgendwann ist aber auch zu drei Toren alles gesagt. „Schönen Abend dann, gell“, verabschiedete sich Martin Max. Als er endlich unter der Dusche verschwunden war, sagte ein Rostocker Reporter: „Ohne ihn wäre es heute 0:0 ausgegangen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben