Sport : Der gute Augenblick

Florian Keller spielt wieder Hockey für Deutschland

Stefan Hermanns

Berlin - Bernhard Peters, Bundestrainer der Hockey-Nationalmannschaft, steht nicht im Verdacht, ein Feigling zu sein. Trotzdem hat Peters vor einigen Wochen seinen Assistenten Jamilon Mülders vorgeschickt, als es um einen vermeintlich unangenehmen Anruf ging. „Vielleicht hat er sich nicht getraut“, sagt Florian Keller. Mülders sollte den Stürmer von den Zehlendorfer Wespen fragen, ob er Lust habe, wieder für die Nationalmannschaft zu spielen. Peters hatte gedacht, „das wäre die richtige Methode, um die kleine Schwelle zu überschreiten“. Im Nachhinein hat sich seine Vorsicht als unbegründet erwiesen. Keller war zwar überrascht, dass er gefragt wurde, hat dann aber recht schnell zugesagt. Was wiederum den Bundestrainer überrascht hat.

Die Nationalelf fliegt heute Abend nach Lahore, um nächste Woche bei der Champions Trophy gegen Pakistan zu spielen. Keller wird dann zum ersten Mal seit drei Jahren wieder für Deutschland zum Einsatz kommen. „Das ist ein ganz guter Augenblick, um wieder anzufangen“, sagt er. Hockey ist in Pakistan Nationalsport, 70 000 Zuschauer passen ins Stadion von Lahore. „Das soll das Größte sein für einen Hockeyspieler.“

Sein letztes Länderspiel hat Keller 2001 bei der Champions Trophy bestritten. In der Begegnung gegen Holland brach er sich das Schlüsselbein und verpasste dadurch die WM in Malaysia. Kurz darauf erklärte Keller seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, um sich auf seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann zu konzentrieren. „Das Hockeyspielen hat wieder richtig Spaß gemacht“, sagt der 23-Jährige über die Zeit ohne die ständigen Reisen und Lehrgänge mit der Nationalmannschaft.

Doch Peters hat die Erfahrung gemacht, „dass junge Leute ihre Meinungen immer mal ändern“. Ohne die Olympischen Spiele wäre es bei Keller vermutlich nicht so schnell gegangen. „Das war ein Kick für ihn, noch einmal anzugreifen“, sagt Peters. Die Männer holten in Athen Bronze, die Frauen wurden mit Kellers Schwester Natascha Olympiasieger. Beim Halbfinale und beim Endspiel saß Keller auf der Tribüne. „Durch Olympia habe ich wieder Lust bekommen“, sagt er.

Keller ist der einzige Berliner im Aufgebot für die Champions Trophy, zudem der einzige Zweitligaspieler. Für Peters spielt das „eine untergeordnete Rolle“. Der Bundestrainer sagt, dass er den Stürmer „immer auf der Festplatte“ gehabt habe: „Von der Qualität eines Kellers gibt es in Deutschland nicht so viele.“

Die Champions Trophy wird der Test sein, ob Keller international noch mithalten kann. „Man verlernt ja nicht alles“, sagt er. Doch internationales Hockey ist im Grunde eine andere Sportart als Bundesliga-Hockey. Nationalspieler trainieren wie Profis, normale Bundesligaspieler sind reine Amateure. Beim letzten Lehrgang immerhin konnte Peters „keine großen Unterschiede erkennen“, allerdings will er Kellers Leistungsfähigkeit „noch nicht abschließend beurteilen“.

Ob der Bundestrainer langfristig mit dem Rückkehrer planen kann, ist ohnehin fraglich. „Es kann sein, dass ich nächstes Jahr wieder eine Pause einlege“, sagt Keller. Die Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Leipzig fällt mit seinen Abschlussprüfungen zusammen. Peters sagt: „Bei gutem Willen ist das machbar.“

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