Sport : Der gute Junge

Dortmunds Spieler bedauern den Abgang des Trainers

Felix Meininghaus[Dortm]

Am Sonntag Vormittag eilte Michael Zorc in die Kabine der Dortmunder Profis. Der Sportdirektor von Borussia Dortmund hatte eine wichtige Botschaft: Die weiteren Spiele unter Trainer van Marwijk, teilte Zorc den Spielern mit, würden zum Charaktertest. Das beginne schon auf Schalke am nächsten Sonntag. Sehr viele Spiele unter van Marwijk werden es nicht, der Trainer wird den Klub am Saisonende verlassen. Und intern dürfte Sportdirektor Zorc ein wenig anders reden als öffentlich. Denn den Medien lieferte er auf die Frage, was die Klubführung denn dem Trainer konkret anlaste, die originelle Antwort: „Gar nichts.“

Die Spieler reagierten auf die neue Nachrichtenlage mit Bestürzung: „Es ist schade, dass der Trainer hier jeden Tag angefeindet wird“, sagte Roman Weidenfeller. „Er hilft uns, aus der Talsohle rauszukommen“, betonte der Torhüter und fügte fast väterlich hinzu: „Van Marwijk ist ein guter Junge.“

Auch Ebi Smolarek, den van Marwijk nach Dortmund geholt hatte und der in der Schlusssekunde mit seinem Treffer für den 1:0-Sieg der Dortmunder über den VfL Wolfsburg gesorgt hatte, sagte: „Mein Herz hängt am Trainer. Ich kann mich weder über mein Tor noch über den Sieg freuen.“ Dabei sei es so schön, zu gewinnen, „aber heute habe ich ein schlechtes Gefühl“. Selbst der verletzte Manndecker Christoph Metzelder, dessen gespanntes Verhältnis zu van Marwijk kein Geheimnis ist, beschlich ein mulmiges Gefühl: „Die Mannschaft ist es ihm schuldig, jetzt für ihn zu spielen.“

Die Frage ist allerdings, ob die Autorität von van Marwijk noch dafür ausreicht, dass sich die Spieler für ihn aufreiben. Denn der Trainer gilt zumindest bei vielen Beobachtern als derjenige, der die Nachricht von seinem baldigen Abschied selber in einer Zeitung lancierte. Mag sein, dass das Gerücht völlig falsch ist, doch das Misstrauen ist da. Und wie die Spieler auf dieses Gerücht reagieren, muss sich zeigen. Die Position des Trainers ist auf jeden Fall nicht gestärkt.

Um den Schaden zu minimieren, besteht akuter Handlungsbedarf. So oder so werden die Diskussionen um den Trainer und seinen Nachfolger nicht abebben. Auch wenn kräftig dementiert wird, gilt Thomas von Heesen als erster Anwärter. Als ihm nach dem 0:0 gegen Leverkusen berichtet wurde, in Dortmund werde soeben das Ende der Ära van Marwijk verkündet, da fragte Bielefelds Trainer allerdings ungläubig: „Wirklich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.“

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