Sport : Der Gute-Laune-Marschall

Wie Kaiserslauterns ehemaliger Publikumsliebling den kriselnden Klub wieder voranbringen will

Oliver Trust

Kaiserslautern. Olaf Marschalls Vorzüge liegen deutlich auf der Hand. Das findet jedenfalls Kaiserslauterns Vorstandsvorsitzender René C. Jäggi. Immerhin habe der ehemalige Fußballprofi nicht nur den Trainer-A-Schein, sondern außerdem Abitur. Nun muss der Mann, der den Klub 1998 mit 21 Toren zur deutschen Meisterschaft schoss, in Notzeiten wieder helfen. Sein neuer Titel beim kränkelnden Verein aus dem Südwesten: persönlicher Assistent des Vereinschefs Jäggi.

Ein klar definiertes Anforderungsprofil für Marschall aber scheint Marschall noch nicht in vollem Umfang bekannt zu sein. „Erst mal rein riechen, Abläufe kennen lernen, und dann schauen wir“, sagt der gebürtige Sachse. Vom Bindeglied zwischen Jugend-, Amateurabteilung zu den Profis ist die Rede, und Jäggi wünscht sich eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet über Juni 2004 hinaus. Zunächst gilt Marschalls Vertrag nur für ein halbes Jahr. Sportlicher Manager könnte er ohnehin nicht werden. Der Posten ist vertraglich schon dem derzeit noch aktiven Ciriaco Sforza zugesichert.

Ob die „wertvolle Profierfahrung Marschalls“ (Jäggi) dem 1. FC Kaiserslautern in den nächsten Monaten so ohne Weiteres im Abstiegskampf hilft, ist allerdings fraglich. Marschall ist zwar äußerst beliebt beim Anhang, gilt aber als schweigsamer Mensch, der wenig Konkretes von sich gibt. Mit dem Schachzug, Marschall in den Klub zu holen, hat sich Jäggi offiziell vor allem ein Stück sportliche Kompetenz zurückgeholt. Zumindest auf dem Papier schließt Marschall die Lücke, die Hans-Peter Briegel hinterließ. Der unbequeme Briegel trat nach wochenlangen Scharmützeln mit Jäggi und den mit wenig sportlicher Kompetenz ausgestatteten Aufsichtsratskollegen frustriert aus dem Gremium zurück. Die „Walz aus der Pfalz“ kündigte sogar die Mitgliedschaft im Verein.

In einer Pressemitteilung des FCK wurde nun Marschall nicht nur von Jäggi freudig begrüßt, auch Cheftrainer Erik Gerets zeigte sich angetan. „Auf die Zusammenarbeit mit ihm freue ich mich, und ich bin überzeugt davon, dass er seine Fußballkenntnisse sehr positiv einbringen kann“, sagte der Belgier, der bisher immer jede Einmischung in seine Entscheidungen strikt abgelehnt hat. Ein Gespräch mit Marschall hat Erik Gerets noch nicht geführt. „Das werden wir sicherlich im Trainingslager nachholen", sagt Marschall. Der 37-Jährige wird zumindest „am Sonntag für ein paar Tage mit in die Türkei“ reisen. Dort will er Gespräche mit Spielern führen und dazu beitragen, „dass wir die Wende ins Positive schaffen, darin liegt eine große Chance“. Die meisten Spieler kenne er, und die anderen werde er schon noch kennen lernen.

Wenn es um die aktuelle Lage des Klubs geht, dann wirkt der Neue schon wie einer, der längst auf die offizielle Linie getrimmt worden ist: „Es sieht nicht so schlecht aus, aber klar ist, das wir aufpassen müssen. Die Harmonie hat gelitten, es gab viele Verletzte.“ Das hätten Gerets und Jäggi kaum anders formuliert. Wichtig sei nun ein guter Start in die Rückrunde, der das verloren gegangene Selbstvertrauen zurückbringen könne. „Eines ist auch klar: Wir sind noch nicht abgestiegen. In Deutschland sieht man immer alles so negativ. Die Amerikaner würden sagen: Hey, das ist doch kein Problem.“

Doch trotz des demonstrativen Optimismus der Führungskräfte schlägt sich Marschalls Arbeitgeber wieder mit einer neuen Welle schlechter Stimmung herum – spätestens seit Gerets einigen Spielern mitteilte, sie würden allenfalls noch bis Saisonende geduldet. Zwölf Verträge laufen Ende der Spielzeit aus. Als Thomas Hengen in einem Interview hinausposaunte, er erhalte beim FCK keinen neuen Vertrag, war Gerets stocksauer: „Thomas hat Details aus persönlichen Gesprächen an die Öffentlichkeit weitergegeben.“ Verständnis dafür, dass Hengen nun auf Jobsuche gehen muss, hatte Gerets nicht. Und Olaf Marschall? Der schweigt dazu lieber. „Ich bin noch nicht lange hier. Bis ich alles kenne, dauert es noch eine Weile.“

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