Sport : Der gute Mensch von Gent

Ex-Telekom-Sportchef Godefroot bestreitet, Kopf eines organisierten Dopingkartells gewesen zu sein

Gent - Der ehemalige Telekom-Teamchef Walter Godefroot hat jede Verwicklung in die Dopingaffäre strikt zurückgewiesen und will seinen ehemaligen Mitarbeiter Jef d'Hont verklagen. „Ich habe Doping in unserem Radsport-Team weder organisiert noch finanziert“, sagte der 63-jährige Belgier am Dienstag auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in seiner Heimatstadt Gent. D’Hont seinerseits bekräftige noch einmal seine bereits Ende April geäußerten Dopingvorwürfe gegen den früheren Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich. „Jan hat Epo und Wachstumshormone genommen, hundertprozentig sicher“, erklärte der Belgier am Dienstagabend in der ARD-Sendung „Tagesthemen“. Gleichzeitig forderte er den zurückgetretenen Ullrich auf, auszupacken.

Walter Godefroot, von 1992 bis 2005 Team-Manager bei Telekom und dem Nachfolge-Team T-Mobile, will sich nicht in die Reihe der Doping-Geständigen stellen. Er versicherte, „Doping-Mittel weder organisiert noch finanziert“ zu haben. Das hatten ihm Ex-Betreuer d'Hont und ehemalige Telekom-Profis direkt oder indirekt vorgeworfen. „Ich habe nie Geld von Fahrern für Dopingmittel erhalten“, sagte Godefroot bei seinem Auftritt im Hotel Holiday Inn.

Godefroot kündigte an, seinen Landsmann d'Hont („ein plumper Lügner“) zu verklagen. Nach dem Ende der am 7. Juli beginnenden Tour de France werde sich der heutige Berater des neuen Astana-Teams, „wie 2006 angekündigt“, vom Radsport zurückziehen. Zum Thema Jan Ullrich sagte Godefroot: „Ich will nicht über andere reden. Ob Jan etwas zu erklären hat, muss er entscheiden.“

Er als Chef ignorierte, was in der Hoch-Zeit seines Teams vor sich ging, und nannte das im Rückblick „naiv“. „Dass ich nicht wusste, was lief, bedeutet nicht, dass ich blind war für das, was sich in der Mitte der 90er Jahre in die Mitte des Pelotons eingeschlichen hatte. Rennfahrer gingen auf unerklärliche Weise über ihre Möglichkeiten hinaus“, sagte Godefroot, der damals „einen Virus, der Epo hieß“ diagnostizierte. „Wer war befallen? Das war auch eine offene Frage für mich“, behauptete Godefroot, der seine Verantwortung seiner Meinung nach dennoch wahrnahm, weil er das Thema Epo im Weltverband UCI in den 90er Jahren thematisierte.

Laut Godefroot haben die inzwischen ebenfalls geständigen Freiburger Ärzte im Team versucht, „dem Wildwuchs bei der Medikamentierung Einhalt zu gebieten und in geordnete Bahnen zu lenken“. Er hätte in seiner Karriere als Profi von 1965 bis 1976 – Godefroot war in seiner aktiven Laufbahn drei Mal Doping-auffällig – und danach als Manager „immer den roten Faden verfolgt, die Einnahme von Medikamenten zu beschränken“. Der vier Jahre im Team beschäftigte d'Hont sei „Mädchen für alles“ gewesen, „und hat selbst oft genug den Doktor gespielt“.

Rund 60 Journalisten und zwölf Kamerateams warteten – vergeblich – auf weitere Enthüllungen, nachdem in den Vorwochen die Ex-Profis Bjarne Riis („Godefroot war auf einem Auge blind“), Christian Henn, Rolf Aldag, Erik Zabel, Brian Holm und Bert Dietz ein Bild vom flächendeckenden Doping-System im Team Telekom gezeichnet hatten. Dietz hätte sich nur auf d'Hont berufen, deshalb verklage er den Ex-Profi nicht, erklärte Godefroot. D’Honts Vorwürfe hätten ihn aber „tief verletzt“.

Walter Godefroot erklärte weiter: „Ich bezweifle, dass Bjarne Riis jemanden betrogen hat.“ Er benutzte die selbe Formulierung wie Jan Ullrich bei seiner Rücktritts-Pressekonferenz am 26. Februar in Hamburg. „Ich habe nie jemanden betrogen“, hatte sich der auch durch die neuerlichen Erkenntnisse der Doping-Affäre Fuentes erheblich belastete Ullrich zu rechtfertigen versucht. dpa

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