Sport : Der gute und der böse Geist

Nicht alle deutschen Athleten halten zusammen

Friedhard Teuffel

Göteborg - Wie der eigentlich unsichtbare Mannschaftsgeist aussehen kann, das haben die deutschen Leichtathleten am Montagabend in Göteborg vorgeführt. Einmal ließen sie ihn als guten Geist erscheinen, das andere Mal jedoch zeigten sie ihn als böses Gespenst. Den guten Geist beschworen die Kugelstoßer Ralf Bartels und Andy Dittmar. In ihrem Finale bei den Europameisterschaften unterstützten sie sich mit ein paar handwerklichen Tipps und auflockernden Scherzen. Das Ergebnis: Dittmar wurde überraschend Siebter und Bartels Europameister. Zeitgleich rannten die beiden Deutschen Irina Mikitenko und Sabrina Mockenhaupt 10 000 Meter auf der Bahn, und vom guten Zusammenwirken der Kugelstoßer hatten sie offenbar nichts mitbekommen. Nachdem Mikitenko fast das ganze Rennen über Windschatten für Mockenhaupt geboten hatte, bedankte die sich am Ende, indem sie ihre Kollegin überholte und vor ihr auf Platz acht lief, Mikitenko kam als Neunte ins Ziel.

Während des Rennens hatte Mikitenko ihre Kollegin aufgefordert, doch auch einmal das Tempo zu machen. Beide liefen in einer zweiten Gruppe hinter den Spitzenläuferinnen her. Mockenhaupt gab ihre Antwort an Mikitenko nach dem Rennen so wieder: „Ich nicht helfen. Ich heute Meisterschaft laufen.“ Mikitenko ist in Kasachstan geboren, spricht aber ein grammatikalisch einwandfreies Deutsch.

Hinterher war Mikitenko erbost über so viel Undankbarkeit: „Erst sagt sie mir, sie sei zu kaputt zum Helfen, aber die letzten 200 Meter sprinten kann sie noch.“ Enttäuscht war Mikitenko außerdem, weil sie an ein besseres Mannschaftsergebnis geglaubt hatte. „Wir hätten 20 Sekunden schneller laufen können.“ Auch wenn das an der Platzierung nichts mehr geändert hätte, immerhin ihre Bestzeit hätten beide übertreffen können. Bei Mikitenko beträgt sie 31:29,55 Minuten, bei Mockenhaupt 31:21,28 Minuten, und am Ende brauchte Mikitenko 31:44,82 Minuten, Mockenhaupt 31:40,28. Auch Bundestrainer Detlef Uhlmann sagte: „Ich hätte mir gewünscht, dass sie etwas mehr zusammenarbeiten.“

Die deutsche Mannschaftsleitung nahm die Auseinandersetzung nicht so dramatisch. „Es ist normal, dass in einer Mannschaft Athleten gegeneinander kämpfen. Wenn wir in allen diesen Fällen eingreifen würden, hätten wir viel zu tun“, sagte Eike Emrich, der für Leistungssport zuständige Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Er hofft wohl, dass nur der gute Mannschaftsgeist ansteckend ist und sich der böse in Luft auflöst.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben