Sport : Der Härtetest

Beim Handball-Supercup in Leipzig und Riesa denkt das deutsche Team schon an die EM

Erik Eggers

Leipzig. Udo Jürgens und Meat Loaf waren schneller. Ursprünglich wollte der Deutsche Handball-Bund (DHB) den 6. Supercup, das wichtigste Länderturnier vor der Europameisterschaft im Januar in Slowenien, in großen Arenen ausspielen: in Hamburg, Oberhausen, Hannover und Köln. Die Funktionäre wollten die aktuelle Popularität der Sportart ausnützen. Immerhin ist Deutschland Vizeweltmeister geworden, und die Fans interessieren sich wieder verstärkt für Handball. Zeitweise sechs Millionen Zuschauer hatten die WM-Spiele der deutschen Mannschaft am Fernseher verfolgt, das ist doch eine Basis, dachten die DHB-Verantwortlichen bei der Planung des Top-Turniers, das heute in Leipzig beginnt. Doch in den Hallen, in denen nach den DHB-Plänen eigentlich Tore fallen und spektakuläre Sprungwürfe gezeigt werden sollten, treten zur selben Zeit Schlager und Rockstars der älteren Jahrgänge auf. „Die großen Hallen waren schon im Winter belegt“, sagt DHB-Funktionär Horst Bredemeier.

Trotzdem ist der fürs Marketing zuständige Vizepräsident auch mit den Veranstaltungsorten in Sachsen hoch zufrieden. In Leipzig trifft heute Deutschland auf Schweden (15 Uhr, live in der ARD), die Halbfinalbegegnungen und das Endspiel finden in Riesa statt, und diese Wettkampforte sind des Turniers würdig, sagt der frühere Bundestrainer Bredemeier. „Wirtschaftlich ist das für uns von vornherein ein großer Erfolg“, sagt er, denn der Verband hat das Turnier für eine sechsstellige Garantiesumme an einen Leipziger Veranstalter verkauft. Die gleiche Summe, die der DHB vor zwei Jahren für die Vermarktung des Supercups noch in D-Mark erhalten hat, sagt Bredemeier, bekomme er jetzt in Euro. Zudem werden alle vier deutschen Spiele live in der ARD übertragen. Das ist beachtlich in einer Zeit, in der viele Sportarten gezwungen sind, Produktionskosten zu übernehmen, damit sie im Fernsehen auftauchen.

Dass dieses Turnier zu den sportlichen Höhepunkten zählt, steht ohnehin außer Frage. Denn nach dem Spiel gegen Schweden treffen die Deutschen auf Olympiasieger Russland. In der anderen Gruppe sind Weltmeister Kroatien, der WM-Dritte Frankreich und der WM-Vierte Spanien vertreten, man kann also getrost von einer Art Mini-WM in Sachsen sprechen. Für Bundestrainer Heiner Brand ist das Turnier deshalb eine überaus wichtige Standortbestimmung. „Die Jungs müssen sich wieder beweisen“, sagt der Erfolgscoach, der „natürlich gewinnen will“. Im eigenen Land sei der Erfolgsdruck schließlich immer zu spüren, sagt Brand, und doch haben für Brand neben den angepeilten Siegen „auch andere Dinge eine Bedeutung“. Der Bundestrainer will im Hinblick auf die EM und die Olympischen Spiele speziell die „beiden Neuen beobachten“. Damit meint er die wieder genesenen Rückraumspieler Daniel Stephan (TBV Lemgo) und Frank von Behren (VfL Gummersbach). Außerdem wird er, da Volker Zerbe und Klaus-Dieter Petersen fehlen, Oliver Roggisch (Tusem Essen) „schon im Hinblick auf die Zeit nach 2004“ im Abwehrzentrum testen. Und auf der halbrechten Position werden die hoch talentierten Christian Zeitz (THW Kiel) und Volker Glandorf (Nordhorn) lange Einsatzzeiten erhalten.

Frank von Behren fühlt sich vor dem erstem Spiel so, „als wäre ich nie weggewesen“. Er sei „total gelassen“, sagt der frühere Kapitän mit den Rastalocken, „obwohl es schon das wichtigste Vorbereitungsturnier für die Europameisterschaft ist“. Aber das Turnier sei eben ein Test, und daher sei es „fast zweitrangig, ob wir Erster oder Zweiter werden“. Immerhin, das Finale am Sonntag will er dann doch unbedingt erreichen. Aber wenn er ehrlich ist, dann will er mehr, als bloß dieses Vorbereitungsturnier gewinnen. Frank von Behren will endlich einmal einen bedeutenden Pokal oder eine Goldmedaille in den Händen halten.

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