Sport : Der halbe Präsident

Theo Zwanziger kann sich im DFB nicht immer durchsetzen

Robert Ide

Berlin - Es gibt nicht viele Menschen, die sich gern als Verlierer bezeichnen lassen. Bei Theo Zwanziger, dem neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist das anders. „Sie können mich auch einen Verlierer nennen, wenn bestimmte Maßstäbe nicht mehr gelten“, sagt Zwanziger. Dann zählt der Funktionär die Maßstäbe auf, die ihm wichtiger sind als persönliche Charakterisierungen: „Bei Streitfragen muss es anständige Lösungen geben, und das bessere Konzept muss sich immer durchsetzen.“

Theo Zwanziger hat sich nicht durchsetzen können. Die Nationalmannschaft wird während der WM 2006 ihr Quartier in Berlin beziehen – so wollte es der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Leverkusen geht trotz vorheriger Zusagen leer aus – das wollte Zwanziger verhindern. Gerhard Mayer-Vorfelder, sein Partner in der DFB-Doppelspitze, hatte ihn auffällig wenig unterstützt. „Wir können nicht alle Verträge, die wir geschlossen haben, in Frage stellen, nur weil wir einen neuen Bundestrainer haben“, hatte Zwanziger vor zwei Monaten geschimpft. Nun ist genau das passiert. Ist damit die junge Macht des Präsidenten beschädigt? Zwanziger sagt: „Ich bin bereit, in meinem Leben immer noch klüger zu werden.“

Nach dem Länderspiel gegen Kamerun vor drei Wochen in Leipzig hatte Klinsmann intern sein Konzept für die WM-Unterkunft in Berlin vorgestellt. Dabei hatte er nach Angaben von Teilnehmern die Quartierfrage mit dem Ziel verbunden, am 9. Juli 2006 in Berlin den Titel zu holen. „Wann hat es das gegeben, dass sich ein Bundestrainer vor alle stellt und sagt, er wolle Weltmeister werden?“, fragt DFB-Vize Hans-Georg Moldenhauer. Bei der Präsidiumssitzung am Donnerstag gab es keine Gegenstimmen mehr. „Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, Klinsmann an seinem Ziel gehindert zu haben“, sagt ein Funktionär. Andere meinen, dass der Verband nun in keiner leichten Situation sei. „Bisher war auf das Wort des DFB Verlass“, heißt es.

Die WM konzentriert sich mehr und mehr auf Berlin. Hier wird das Turnier mit einem Kulturfest eröffnet, hier finden die wichtigsten Spiele statt, hier logiert der Weltverband Fifa, hier trainiert Klinsmanns Team. Für andere Standorte bleibt da weniger. Vor allem für Leverkusen wird ein Ausgleich gesucht; intern ist von zwei Länderspielen die Rede. Der Bayer-Konzern hatte die WM-Bewerbung mit zwei Millionen Euro unterstützt. „Ich fühle mich Nordrhein-Westfalen verpflichtet“, sagt Zwanziger. In einem Brief hat er Bayer ein Angebot gemacht, das eine „nachhaltigere Wirkung“ haben soll als ein Mannschaftsquartier. Auch soll es an Rhein und Ruhr eine Wanderausstellung geben, die zur Hälfte vom WM-Organisationskomitee finanziert wird. Sie würdigt alte Fußballvereine wie Westfalia Herne. Zudem werden drei Sportschulen im Land saniert. Zwanziger, der schon Personalentscheidungen Klinsmanns abgefedert hatte, sagt: „Wenn wir uns mit Leverkusen einigen, habe ich kein schlechtes Gewissen.“

Auf manches werden die Organisatoren im Westen der Republik dennoch verzichten müssen. In Dortmund war ein größeres Medienzentrum geplant. Derzeit wird am Westfalenstadion eine neue Messehalle gebaut, die bei der WM bis zu 7000 Journalisten Platz bieten soll. „Wenn 5000 kommen, sind wir auch zufrieden“, sagt jetzt Dortmunds WM-Beauftragter Gerd Kolbe. Und er ahnt: „Es wird sicher nicht die letzte WM-Entscheidung sein, die viele überrascht.“

Ob Theo Zwanziger das gerne hört?

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