Sport : Der harte Kampf gegen die Harmlosigkeit

MICHAEL ROSENTRITT

Axel Schulz bastelt am Comeback / Manager Sauerland: "Seine Chance wird wieder kommen"VON MICHAEL ROSENTRITT LEIPZIG.Seine Mütze trägt Axel Schulz immer noch.Selbstverständlich verdient der deutsche Schwergewichtler damit viel Geld.Und trotzdem scheint es, als trage er sie noch aus einem anderen Grund.Wie zu einer Deckung nämlich hat er die beiden Schirmenden jeweils nach links und rechts unten gebogen.Vielleich ein Zeichen fehlenden Selbstbewußtseins? "Ich weiß ja nicht", sagt Schulz und meint damit eigentlich nein.Und doch ist etwas dran.Seine offene, lustige Art, seine Ehrlichkeit und nicht zuletzt die rundlichen Gesichtszüge - Schulz bleibt Schulz, ein sanfter Riese halt.Mit dieser Art hat der Mützen-Mann die Umsatz- und Popularitätsrekorde gebrochen, inklusive vieler Herzen.Doch inwieweit kann er auch den Anforderungen gerecht werden, die im Ring gefragt sind? Am Sonnabend nun wird er Teil zwei seines Comebacks starten.Nachdem er bereits Anfang Dezember in Wien den Kubaner José Ribalta schlagen konnte, trifft Schulz in der Alten Messe Leipzig auf den US-Amerikaner Jorge Valdes."Nach den vergeigten WM-Kämpfen mußten wir neu anfangen", erzählt der 28 Jahre alte Frankfurter und schließ bewußt auch Manfred Wolke, seinen Trainer, mit ein.Erst wechselten die May-Brüder aus der Oderstadt nach Köln, weil sie sich etwas vernachlässigt fühlten.Im November 1996 verließ dann mit Henry Maske auch das einstige Zugpferd das Camp auf dem Güterbahnhof.Zurück blieben Schulz und Wolke. "Es war schon ein komisches Gefühl damals, so ganz allein zu trainieren", erinnert sich Schulz."Da war auch viel Bitterkeit im Spiel." Und trotzdem habe er nie ans Aufhören gedacht.Der so unverhoffte wie grandiose WM-Kampf gegen "Big George" Foreman im April 1994 in Las Vegas, den Schulz zu Unrecht verloren hatte, habe seine Entwicklung sehr beschleunigt", glaubt Schulz."Ich habe gemerkt, daß ich mit den Großen mithalten kann." Es folgte der später annulierte WM-Kampf gegen den gedopten François Botha (Südafrika) und im Juni 1996 in Dortmund die "korrekte Niederlage" (Schulz) gegen Michael Moorer (USA).Zweierlei brachten dem gelernten Mechaniker, Ex-DDR-Meister (1988) und WM-Dritten (1989) diese Kämpfe: einen Haufen Geld und den Makel der eigenen Harmlosigkeit."An einem mußte gearbeitet werden", sagt Schulz mit einem breiten Grinsen.Schulz-Manager Wilfried Sauerland versichert: "Ich hatte für Axel schon einige WM-Angebote.Aber die habe ich alle abgelehnt.Wir haben mit ihm alle Geduld dieser Welt.Seine Chance wird wieder kommen." Mit Ribalta war ein durchaus verheißungsvoller Anfang gemacht.Eine alte Verletzung zu Beginn des Jahres unterbrach den Wiederaufbau.Schulz wurden in einer Blitzoperation von dem Frankfurter Chirurgen Dr.Udo Brehsan "freie Gelenkkörperchen" am linken Ellenbogen entfernt."Wir wollten diesmal mit den Eingriff nicht so lange wie im Vorjahr warten", sagt Schulz.Doch aus dem geplanten Trainingsaufenthalt im Camp von Weltmeister Evander Holyfield wurde nichts."Vielleicht klappt es ja noch, doch wir wollen erst einmal den Sonnabend abwarten", erzählt Wolke."Axels Problem war es bisher, daß er sein tatsächliches Leistungsvermögen nicht konsequent im Wettkampf umsetzen konnte", analysiert der Trainer.Da aber habe er zuletzt den Hebel angesetzt."Axel ist stabiler geworden.Er ist heute in der Lage, die Chancen zu nutzen, die er sich im Verlauf eines Kampfes erarbeitet." Ob Schulz dafür seinen Kopf auch wirklich frei hat ...

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