Sport : Der Hauptgewinn

Micki Dupont macht bei den Eisbären etwas aus seinem Talent – weil er in die NHL will

Claus Vetter

Berlin. Micki Dupont lächelt. Er wirkt verlegen. Ihm eilt der Ruf voraus, ein schüchterner Typ zu sein. Abseits der Eisfläche. Dabei sieht er sehr smart aus, der 23-jährige Kanadier. Sein Gesicht hat feine Konturen, wenn man so etwas von einem Eishockey-Profi sagen darf. In der Heimat kam er bei den weiblichen Fans nicht schlecht an. Das lässt sich noch heute im Internet nachlesen. Der Sport hat allerdings schon seine Spuren in seinem Gesicht hinterlassen Eine Narbe oberhalb der Oberlippe, eine Narbe unterhalb der Unterlippe. Micki Dupont ist ein Rackerer auf dem Eis, man sieht es. Beim EHC Eisbären ist er in dieser Saison einer der auffälligsten Spieler. In vielerlei Hinsicht.

Dupont ist beim Berliner Team aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) der schnellste Verteidiger auf den Schlittschuhen und oft der aggressivste. Erstaunlich, denn eigentlich hat er nicht das Gardemaß für einen Eishockeyspieler, schon gar nicht für einen Verteidiger: Die Angaben über seine Größe schwanken zwischen 1,75 und 1,78 Meter. Das Handicap des Micki Dupont.

Es war vor drei Jahren, beim alljährlichen Draft in der National Hockey-League (NHL). Micki galt als einer der besten Spieler seines Jahrgangs. Weltweit. Ein Spielerbeobachter sprach gar davon, dass die Calgary Flames, die sich die NHL-Rechte an Dupont sicherten, „den Hauptgewinn“ gezogen hätten. Allerdings stand auch in einem Rapport über Dupont geschrieben: „Dupont macht fast überhaupt keinen dummen Fehler. Die einzige Frage ist nur, ob die Calgary Flames über seine Größe hinwegschauen können.“

Das haben sie nicht. Nur 18-mal ist Dupont in den vergangenen zwei Jahren für das NHL-Team seiner Heimatstadt aufgelaufen. Die meiste Zeit hat er in den Farmteams verbringen müssen. Verlorene Zeit war das, findet er. In der American Hockey League (AHL), der Liga unterhalb der NHL, wollen sie sich alle nach oben boxen. Schönes Eishockey ist da nicht gefragt. Dupont hatte nach drei Jahren genug. Sein Agent stellte den Kontakt zur DEL her.

Es ist ungewöhnlich, dass ein junger Kanadier mit derartigen Qualitäten nach Deutschland kommt: In der Regel haben die Nordamerikaner ihre NHL-Karriere hinter sich, wechseln in die DEL, wenn sie jenseits der 30 sind. „Natürlich sind hier die Spieler älter als in den Farmteams in Amerika. Aber die DEL hat ein höheres Niveau als die AHL. Die Spiele sind technisch besser und schneller, dafür geht es nicht so hart zur Sache.“ Und das kommt Dupont entgegen, neun Tore hat er bei den Eisbären schon geschossen. Trotzdem, aller Erfolg in Deutschland kann ihn irgendwie nicht trösten, auch wenn er das Gegenteil behauptet. „Neulich habe ich mit ein paar anderen von den Eisbären mal ein NHL-Spiel im Fernsehen geschaut. Mein Gott, ich habe gar nicht glauben wollen, wie langsam das aussah.“ Eine gewagte Beobachtung. Aber manchmal redet sich der Mensch eben schlecht, was er gerade nicht haben kann. Dabei stehen die Chancen für die Rückkehr in die NHL gut. Kürzlich erst war der ältere Bruder von Marian Gaborik, dem slowakischen Jungstar der Minnesota Wild, im Sportforum. Der Scout fand das Spiel der Eisbären zwar „belanglos“, sagte aber: „Der Dupont spielt nächstes Jahr in der NHL.“

Dupont hätte wenig dagegen, obwohl er sich bei den Eisbären wohl fühlt. Er lacht. „Mensch, neulich waren die Eltern von meiner Freundin zu Besuch und haben ein Spiel angeschaut. Was meinst du, was die gesagt haben? Verrückt fanden die das, einfach verrückt: Der Lärm, den hier die Fans machen mit den ganzen Trommeln. Unglaublich.“ Micki Dupont schüttelt mit dem Kopf. Es ist halt noch nicht so lange her, dass er noch Teenager war: Bei den Eisbären sind Denis Pederson, Nils Antons, Tobias Draxinger und Florian Busch seine Kumpels, andere junge Spieler, die noch keine Familie haben. „Mir gefällt es sehr gut hier“, sagt Micki Dupont. Und trotzdem will er wieder weg? „Ach, wer weiß schon, was passiert. Wenn ich abhauen sollte, dann komme ich auf jeden Fall irgendwann zurück.“

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