Sport : Der Heimnachteil

Albas Basketballer müssen in Frankfurt auf ihre neue Auswärtsstärke hoffen – sonst ist ihre Saison vorbei

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - In der Kabine der Opel Skyliners Frankfurt ging es am Sonntagabend heiter zu. Die Basketballer feierten in der Max-Schmeling-Halle Gerüchten zufolge sogar mit ein paar Flaschen Sekt. Dabei haben die Frankfurter das Finale um die deutsche Meisterschaft noch gar nicht erreicht. Mit dem 77:76-Erfolg über Alba Berlin schufen sie lediglich günstige Voraussetzungen dafür. In der „Best of five“-Serie führt Frankfurt mit 2:1 Siegen. Erst heute können die Hessen mit einem Sieg über Alba in der heimischen Ballsporthalle ins Finale einziehen (18.45 Uhr, live auf Premiere).

Der Hauptgrund für die feuchte Fröhlichkeit war aber ohnehin ein anderer: Der Frankfurter Ersatzspieler Hasan Özkan feierte seinen 24. Geburtstag. In der Kabine der Berliner zeigte sich ein gänzlich anderes Bild: Mit hängenden Köpfen saßen die Spieler schweigend nebeneinander. „Die Stimmung war sehr bedrückt“, sagte Berlins Flügelspieler Tanel Tein. „Weniger wegen der knappen Niederlage, sondern vielmehr aufgrund der Entstehung.“ Seine Mannschaft sei nicht als Einheit aufgetreten und habe deshalb verloren. „Genau dasselbe Problem hatten wir im ersten Spiel zu Hause auch.“

Da hatten die Berliner deutlich 64:80 verloren, die Serie von 17 Heimsiegen in der Bundesliga war gerissen. Vizepräsident Marco Baldi führt die plötzliche Heimschwäche auf den immensen Druck in den Play-offs zurück, der durch die eigenen Zuschauer noch erhöht wird (siehe Interview links). Tanel Tein hat eine andere Erklärung: „Wir sind zu Hause einfach nicht mehr so heiß, weil wir mittlerweile glauben, in der Schmeling-Halle unschlagbar zu sein.“

Dafür sind die Berliner in den Play-offs auswärts auf einmal stärker geworden. Im Viertelfinale gewannen sie in Ludwigsburg – in der Hauptrunde hatte Alba dort deutlich verloren. Am vergangenen Donnerstag gewannen sie in Frankfurt – in der Hauptrunde setzte es in der Ballsporthalle die höchste Niederlage der Saison. Während der Hauptrunde war die Auswärtsschwäche Albas großes Problem (nur sieben Siege in 15 Spielen), nun hat Alba in der Max-Schmeling-Halle Probleme zu gewinnen.

Plötzliche Heimschwäche in den Play-offs – diese Problematik kennen die Basketball-Bundesligisten aus der vorigen Saison, in der es ab dem Halbfinale auf einmal außergewöhnlich viele Auswärtssiege gab. So kennen auch die Frankfurter derartige Probleme bereits gut. In der Finalserie des letzten Jahres gegen Bamberg konnten sie bis zum fünften Spiel zu Hause nicht gewinnen. In der letzten Begegnung klappte es dann schließlich – und Frankfurt wurde deutscher Meister.

„Aus der Serie im letzten Jahr und aus der Heimniederlage gegen Alba haben wir hoffentlich gelernt, mit dem Druck zu Hause umzugehen“, sagt Frankfurts Spielmacher Pascal Roller. Nach der Niederlage am Donnerstag gegen Alba hatte er davon gesprochen, dass seine Mannschaft „Bammel hatte, weil der Druck unheimlich hoch war“. Heute wird der Druck auf sein Team noch höher sein, denn die Frankfurter können das Finale erreichen. „Dafür stehen die Berliner nun auch stärker unter Druck, weil für die heute schon alles aus sein könnte“, sagt Roller. „Wir haben positiven, Alba hat negativen Druck.“

Auch Tanel Tein ist sich dessen bewusst. „Es gibt zwei Möglichkeiten, wie wir mit der Situation umgehen“, sagt er. „Entweder wir werden extrem motiviert sein und alles geben. Oder wir werden verkrampfen. Es wird wahrscheinlich von den ersten paar Minuten abhängen, welchen Weg wir einschlagen.“ Eine Prognose möchte Tanel Tein aber lieber nicht abgeben. Dafür trete seine Mannschaft von Spiel zu Spiel zu unterschiedlich auf.

Pascal Roller hört sich da schon etwas selbstbewusster an: „Wir sind derzeit sehr gut im Rhythmus, ich denke schon, dass wir gewinnen“, sagt der Frankfurter Spielmacher. Dann wird es vielleicht wieder eine kleine Feier geben. Womöglich sogar eine noch ausgelassenere, als die am Sonntagabend in der Kabine der Max-Schmeling-Halle.

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