Sport : Der Held des Dorfs

WETTKAMPF DES TAGES Den deutschen Florettfechter Peter Joppich kennt fast jeder Sportler in Peking, weil er schon auf der Titelseite einer chinesischen Zeitung war. Heute hat er gute Chancen, Gold zu gewinnen

Benedikt Voigt[Peking]

Etwas lag in der Luft, als Peter Joppich am 7. August die Mensa des olympischen Dorfes betrat. Einige Sportler starrten den blonden Florettfechter unverhohlen an, andere tuschelten nur. Später fragten ihn einige Olympiahelfer nach Autogrammen. Seine Mannschaftskameraden verrieten ihm schließlich, was geschehen war. Die englischsprachige Zeitung „China Daily“ hatte ihn einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Spiele auf das Titelbild gehoben. Die Zeitung liegt überall in den Athletenunterkünften aus, weshalb das gesamte olympische Dorf seine mittig gescheitelten Haare kennt, die man in den achtziger Jahren Popperfrisur genannt hätte.

Als Star sieht sich Peter Joppich aber nicht. „Bei der Eröffnungsfeier stand ich ein paar Meter hinter Dirk Nowitzki. Was da los war, war Wahnsinn“, sagte der Sportsoldat. „Der konnte keinen Meter laufen, ohne fotografiert zu werden und Autogramme zu geben.“ Im Florettfechten allerdings ist Peter Joppich durchaus auch eine Bekanntheit. Als dreimaliger Weltmeister hat er große Erfolge gefeiert, bei Olympischen Spielen jedoch fehlt ihm noch eine Medaille. Vor vier Jahren in Athen landete er in Einzel und Mannschaft lediglich auf Platz sechs. Das soll sich heute ändern.

Als amtierender Weltmeister zählt er zu den Favoriten im Floretteinzel. Zumal einer seiner größten Rivalen, der Italiener Andrea Baldini, aufgrund eines positiven Dopingtests nicht an den Spielen teilnehmen kann. In Baldinis A- und B-Probe wurde das Entwässerungsmittel Furosemid, das Dopingspuren verschleiern kann, nachgewiesen. Der Italiener bestreitet Doping und behauptet, jemand habe ihm etwas in die Flasche getan. Einen großen Vorteil sieht Peter Joppich nicht in Baldinis Fehlen. „Dadurch, dass Andrea Cassara startet, ändert sich nicht viel“, sagt der 25 Jahre alte Sportsoldat aus Koblenz. Der nachgerückte Italiener ist Dritter der Weltrangliste und aktueller Europameister. Neben Cassara zählt auch der Franzose Brice Guyart zu den Favoriten. Auch ein weiterer Deutscher, Benjamin Kleibrink, hofft heute auf eine Medaille. Joppich startet gegen den Sieger des Gefechts zwischen Richard Kruse (Großbritannien) und Virgil Saliscan (Rumänien).

Bei den Spielen in Athen ist Peter Joppich als 21-Jähriger gegen den späteren Olympiasieger ausgeschieden, doch wegen der Niederlage mit der Mannschaft gegen die USA ist er immer noch traurig. „Es ist schade, dass wir hier nicht die Gelegenheit haben, es wieder gut zu machen.“ Aufgrund der neu eingeführten Rotation der Wettbewerbe ist die Florettmannschaft erst wieder bei den Spielen in London 2012 an der Reihe.

Peter Joppich hat gute Medaillenchancen, trotzdem spielte er bei der Abschlusspressekonferenz der deutschen Fechter lediglich eine Nebenrolle. Die Aufmerksamkeit der Medien galt fast ausschließlich den beiden Degenfechterinnen Britta Heidemann und Imke Duplitzer und ihren Meinungen zum Gastgeberland China.

Die Diskussion um seine Fechtkolleginnen nerve ihn nicht, sagt er, „natürlich ist der Fechtsport dadurch etwas in den Vordergrund gerutscht, aber das ist deren Sache“. Er hat nur ein paar Mal mit beiden darüber gesprochen, dabei besitzt er durchaus auch eine Meinung zu China. „Ich sehe die Tibetfrage und die Menschenrechtsfrage auch kritisch, aber ich will mich hier auf den Sport konzentrieren und mich nicht ablenken“, sagte er.

Aber Joppich weiß auch, dass selbst eine Goldmedaille ihm nicht unbedingt großen Ruhm einbringen muss. „Es sind schon viele Olympiasieger geworden in Randsportarten, bei denen danach auch nichts passiert ist“, sagt er. Und dann gibt es andere, die noch nicht Olympiasieger sind und trotzdem schon im Olympischen Dorf bekannt sind.

Die ARD überträgt die Entscheidung im Florettfechten heute ab 12 Uhr.

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