Sport : Der Held steht im Tor

Der Franzose Omeyer sichert dem THW Kiel mit seinen Paraden den Pokalsieg gegen Kronau/Östringen

Erik Eggers[Hamburg]

Verzweifelt stemmen sich die Handballprofis der SG Kronau-Östringen gegen die drohende Niederlage, dann steigt Uwe Gensheimer auf der Linksaußen-Position hoch, steht in der Luft und wirft – und Thierry Omeyer, der französische Keeper, der sich in der zweiten Halbzeit in einen Spielrausch gesteigert hat, pariert erneut. Wie eine Trophäe hält er den Ball in die Höhe und jubelt, und mit ihm die Spieler auf und außerhalb des Spielfeldes, während die Kronauer Spieler die Köpfe hängen lassen. Damit steht er fest, der vierte Pokalsieg des THW Kiel.

Nach einer begeisternden Partie bezwingt der Rekordmeister trotz eines zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstandes die starke SG Kronau-Östringen mit 33:31 (15:19)-Toren und gewann erstmals seit 2000 wieder den Pokal. Neben dem überragenden Torwart Omeyer, der in den letzten 30 Minuten allein 13 Bälle hielt, darunter auch vier Strafwürfe, war sein Landsmann Nikola Karabatic (elf Tore) der stärkste Spieler der Partie.

„Finals spielt man nicht, Finals gewinnt man“, hatte der physisch enorm starke französische Nationalspieler kürzlich selbstbewusst gesagt, aber in diesem Endspiel setzten überraschend die Außenseiter aus Kronau die ersten Akzente. Die Badener, bei denen zunächst Nationalspieler Michael Haaß den Aufbau organisierte, begannen mit hohem Tempo. Ohne dabei übermotiviert zu sein, hechteten sie sich sofort nach jedem Ball, bewegten sich extrem schnell in der 5:1-Defensivformation, in der Uwe Gensheimer als vorgezogener Verteidiger die Kreise des Kieler Regisseurs Stefan Lövgren empfindlich störte. Jedenfalls führte Kronau vor den 13 300 Zuschauern in der ausverkauften Color-Line-Arena nach sechs Minuten bereits mit 5:0 – eine Überraschung kündigte sich an. Erst nach sechseinhalb Minuten erzielten die beeindruckten Kieler durch Lövgren den ersten Treffer.

Obwohl Kiel später das Tempo spürbar erhöhte, noch mehr Kampfgeist an den Tag legte, konnte der Außenseiter den Vorsprung bis zum 22:18 (34.) durch Velyky verteidigen. Danach zerbröselte aber die Kronauer Deckung angesichts der wuchtigen Kieler Angriffe, zwölf Minuten später führten die Kieler beim 26:23 plötzlich mit drei Toren. Zwar konnte Kronau beim 27:28 (52.) und 29:30 (55.) noch einmal verkürzen. Aber am Ende scheiterten die Angreifer zu häufig am reaktionsschnellen Kieler Schlussmann Omeyer, der zum Finalhelden wurde.

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