Sport : Der Helfer fährt vor

Zum Karrieende beim Sechstagerennen kann sich Rolf Aldag feiern lassen wie noch nie

Mathias Klappenbach

Berlin - Es ist ein angemessenes Ende. Beim heute beginnenden Sechstagerennen in Berlin kann sich Rolf Aldag bei den unzähligen Runden auf der ovalen Bahn immer wieder ausgiebig vom Publikum feiern lassen, bevor er am kommenden Dienstag seine Karriere beendet. Zehnmal ist der 37-Jährige die Tour de France gefahren, 2003 hat er für einen Tag das gepunktete Trikot des besten Bergfahrers getragen, Deutscher Straßenmeister war er auch einmal. Große Siege aber fehlen in seiner Bilanz. Rolf Aldag war lange einer der vielen namenlosen Radprofis. Nach langen Etappen, auf denen er für Jan Ullrich Windschatten spenden und die Attacken anderer Teams kontern musste, hatte er schließlich noch die Aufgabe, das Finale für Erik Zabel anzufahren, der dann auf den letzten Metern gewann und der Held war.

Eine Ahnung davon, wie hart diese Arbeit ist, haben im vergangenen Jahr mehr als 200 000 Kinozuschauer in dem Dokumentarfilm „Höllentour“ bekommen, dessen Protagonisten Zabel und Aldag sind. Obwohl er seit 1993 ununterbrochen für den größten deutschen Radrennstall T-Mobile-Team (früher Team Telekom) fuhr, ist der stille und treue Helfer seiner Chefs erst durch den Film außerhalb des Radsports richtig bekannt geworden.

Auch deshalb ist Aldag nun der Star des 95. Sechstagerennens. Berlin hat er nicht zufällig als letzte Station nach 15 Jahren als Profi ausgesucht. „Die Fans in Berlin honorieren die sportliche Leistung wie sonst nirgendwo im Sechstagesport. Das war entscheidend“, sagt Aldag, der bei seinen beiden bisherigen Starts in Berlin 2001 und 2002 zusammen mit dem Italiener Silvio Martinello gewonnen hat. Ein Blinddarmdurchbruch in der Neujahrsnacht hat einen letzten gemeinsamen Start mit Erik Zabel bei den Sixdays in Bremen vor zwei Wochen verhindert.

Jetzt ist Aldag wieder fit. In Berlin geht er heute nach dem Startschuss von TV-Moderatorin Caroline Beil (20.40 Uhr) mit der Startnummer 1 ins Rennen. Gemeinsam mit seinem Partner Robert Bartko ist Aldag Favorit. Normalerweise fährt Bartko gemeinsam mit Guido Fulst, der muss aber nach dem Willen der Veranstalter mit dem 23-jährigen Leif Lampater starten. Bartko, Fulst und Lampater gewannen in der Nacht zum Mittwoch das Sechstagerennen in Stuttgart, wo in Dreier-Teams gefahren wird.

Der Potsdamer Bartko und der Berliner Fulst sind die Lieblinge des Publikums. Aldag hofft, dass nicht er wegen der Umbesetzung vom Publikum ausgepfiffen wird. Dieses Gefahr ist allerdings sehr gering, denn nach dem Einlass heute um 18 Uhr wird im Velodrom auch im zehnten Jahr nacheinander wieder sechs Tage lang Partystimmung herrschen.

Das nächste Bier kommt auf den Rängen so sicher wie unten für die Fahrer auf der Bahn die große Jagd nach der kleinen. 250 000 Gläser Bier werden die insgesamt knapp 70 000 Zuschauer wieder trinken, zweimal tritt Frank Zander auf. Seinen Hit „Nur nach Hause (gehen wir nicht)“ will Zander erst am letzten Tag singen, wenn sicher auch Rolf Aldag noch einmal richtig gefeiert wird. Danach wird er nach Hause gehen.

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