Sport : Der Hengst Chouchou zählt heute in Berlin-Mariendorf zum Kreis der Favoriten

Carsten John

"Am besten schmecken Chouchou des dames Siegerdecken", meinte Gunilla Carlsson, Pflegerin und Mitbesitzerin des Hengstes, der heute auf der Trabrennbahn Mariendorf (Beginn: 13 Uhr) als Favorit im 104. Deutschen Traber-Derby gilt, in einem Interview anlässlich des Sieges im Adbell-Toddington-Rennen nicht nur im übertragenen Sinn. Chouchou des dames, der bereits zweijährig in seiner Generation herausragte und unter anderen mit dem Gelsenkirchener Gold-Cup das wichtigste Youngster-Rennen gewann, ist ein verspieltes Pferd. Handtücher und eben auch Siegerdecken knabbert er mit Vorliebe an. Sein Trainer, der mit Gunilla Carlsson liierte Finne Veijo Heiskanen, glaubt in diesem Wesenszug eine Bestätigung für den guten Charakter seines Schützlings zu sehen. Der 39-Jährige sagt: "Ich bewundere seine athletische Kraft, sein großes und gutes Herz."

Chouchou des dames ist aber kein unumstrittener Favorit. Das Berliner Buddenbrock-Rennen ließ er aus, um in Schweden bei einem Rennen der dortigen Jahrgangspferde zu brillieren. Dieser Versuch schlug fehl, der Hengst wurde nur Sechster. Aus diesem Fehltritt schöpft die Konkurrenz Hoffnung - und aus der Tatsache, dass der Gegenspieler von Chouchou, Nightstar Yankee, in den zurückliegenden Wochen mit einer Virusinfektion zu kämpfen hatte. "Keiner weiß, ob der Hengst schon wieder auf Hundert ist", erklärte der stets gut informierte Geschäftsführer des Rennvereins, Dimitrios Vergos. Der Stall November kennt solche Sorgen ebenfalls. Ihr Zuchtrenn-Sieger Jay November, der unter anderem das Buddenbrock-Rennen gewann, kassierte vor 14 Tagen in Recklinghausen eine Niederlage durch Object Way (Arnold Mollemal) und Evita Idzarda, die mit Heinz Wewering als einzige Stute im Derby antritt. "Vielleicht habe ich das Rennen etwas zu leicht genommen", meinte der November-Fahrer Thomas Panschow hierzu. "Da hat noch etwas Potential gefehlt. Im Derby werden wir auf den Punkt genau 100 Prozent Leistung zur Verfügung haben", relativierte der 32-Jährige das Abschneiden des Hengstes. Aber der Stall November muss nicht nur auf "Jay", dessen Bruder Hyperion November 1997 Derby-Zweiter wurde, bauen. Panschow steuert in den anderen Vorläufen mit Jiosco November und Juha November zwei Pferde, die sich im Laufe der Saison immer stärker anboten. "Juha" ist ein kleiner Bruder des 96er Derby-Siegers und Mariendorfer Bahn-Rekordhalters General November. "Es könnte sein, dass das Derby für Juha November etwas zu früh kommt, aber er ist ein Pferd mit Zukunft", beschreibt Panschow das Wesen des "Kleinen Generals".

Aus Bayern und Norddeutschland kommen zwar ebenfalls Pferde im Derby an den Start, doch sind deren Chancen begrenzt. Einer davon ist Winston Churchill. Der Trainer des Hengstes, Helmut Biendl, hatte 1996 mit Fazimo das Derby fast schon gewonnen, doch General November machte dem Straubinger einen dicken Strich durch die Rechnung. Berliner Teilnehmer gibt es in diesem Jahr nicht, was nicht nur der Hauptstadt-Champion Michael Hönemann bedauert: "Das Pferd, das ich für das Derby im Auge hatte, muss erst noch ausreifen", bekannte der 40-Jährige schon vor Wochen. Auch ohne Berliner Beteiligung verspricht das Derby Spannung pur. Um ins Finale zu kommen, das mit 690 000 DM dotiert ist und als Gottlieb-Jauß-Memorial (der 56-jährige Ausnahme-Trainer starb am 12. Juli bei einem Autounfall) gelaufen wird, ist ein Sieg oder ein zweiter Platz in einem der fünf Vorläufe notwendig. Dieses Ziel haben neben den genannten Favoriten auch die holländischen Fahrer vor Augenn, vor allem im zweiten Vorlauf. Peter Strooper baut auf Shoot your Shot, Vorjahresgewinner Hendrik Grift auf Arctic Star und Arnold Mollema auf den Sieger der Trophäe von Recklinghausen, Object Way. In der Prämien-Ausspielung gibt es einen Skoda Octavia zu gewinnen, was die Wettlust der erwarteten 20 000 Zuschauer zusätzlich steigern dürfte.

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