Sport : Der Herr der Kugeln

Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler wird heute Abend die Losprozedur leiten

Robert Ide

Leipzig - Markus Siegler formt seine Hände zu einer Kugel und führt sie durch die Luft. Dann teilt er die virtuelle Kugel in zwei Hälften und zieht aus der Mitte ein imaginäres Los heraus. Er liest vor: „England“. Eine Hand wirft nun die Kugel weg, eine andere legt das Papier auf eine Tafel. So ungefähr soll das heute Abend aussehen, wenn Siegler die Auslosung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 leiten wird. Bis dahin wird der Kommunikationsdirektor des Fußball-Weltverbandes Fifa das Prozedere dreimal geübt haben, „und irgendwann gegen 21 Uhr werde ich nervös sein“, ahnt er am Vortag. Wenn heute um 21 Uhr 20 die Auslosung beginnt, wird der 47 Jahre alte Schweizer von einem Moment auf den anderen einem Weltpublikum bekannt sein.

Siegler ist ein ungewöhnlicher Zeremonienmeister. Traditionell haben die FifaGeneralsekretäre die Auslosungen vorgenommen, früher war dafür Joseph S. Blatter zuständig, der jetzige Fifa-Präsident. Wenn Siegler heute das Losprozedere in mehreren Sprachen erklärt und Fußballstars wie Lothar Matthäus und Pelé beim Auslosen dirigiert, wird sich Fifa-Generalsekretär Urs Linsi mit einer Rolle im Hintergrund begnügen müssen. Der oft hölzern wirkende Verbandsmanager ist nach eigener Aussage nicht als Showman geeignet. „In einem weißen Anzug würde ich bestimmt nicht gut aussehen“, vermutet Linsi. Für Siegler ist das eine heikle Aussage, er hebt abwehrend seine Hände. „Ich kann vielleicht gut moderieren, aber ich tue das nicht, weil ich ein Showtyp bin, sondern weil ich die Fifa vertrete“, sagt er pflichtgemäß. Er habe Respekt vor der Aufgabe, „aber keine Angst“, sagt Siegler und steckt sich eine Zigarette an.

Seine überraschende Benennung ist als Belohnung zu verstehen. Der langjährige Journalist ist nach eigener Aussage „zu 300 Prozent loyal gegenüber dem Verband und seinem Präsidenten Blatter“. Sicher hat ihm auch die jovial-verbindliche Art geholfen, mit der er seinen Job im Fifa-Hauptquartier in Zürich versieht. Hatte der einstige Medienchef Keith Cooper vor seiner Entlassung 2002 noch hinter Blatters Rücken gegen seinen Chef rebelliert, halten sich Siegler und Fifa-Chefsprecher Andreas Herren mit eigenen Meinungen zurück. Siegler ist anpassungsfähig. Das hat der Baseler schon als Fußballer bewiesen. In der B-Jugend spielte er noch als rechter Verteidiger, in der A-Jugend als Mittelfeldspieler und bei den Herren im Sturm. „Bei zwei Spielen habe ich sogar den Torwart vertreten“, erzählt er. Inzwischen kickt Siegler nicht mehr. Seine Knie machen die Drehungen nicht mehr mit.

Einen dummen Versprecher fürchtet Markus Siegler nicht, den könne man korrigieren. „Das Schlimmste wäre, wenn in einer Kugel kein Zettel liegt.“ Er streckt die Hand zum Abschied aus. Die nächste Probe wartet.

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