• Der Hertha-Manager diskutierte mit Berliner Schülern über Fußball, Kommerz und Rassismus

Sport : Der Hertha-Manager diskutierte mit Berliner Schülern über Fußball, Kommerz und Rassismus

Helen Ruwald

Der Hertha-Manager lässt auf sich warten. Also weiter mit dem Briefing. "Zu Breitner und Lienen hatten wir doch auch eine Frage. Ich will, dass sie unbedingt gestellt wird. Jakob, mach mal vor", fordert Karl Pentzliehn, der Schulleiter der Gustav-Heinemann-Oberschule in Tempelhof, auf. Mit dem politischen Engagement der aufmüpfigen Ex-Fußballprofis Breitner und Lienen soll Dieter Hoeneß von den 28 Oberstufenschülern unbedingt konfrontiert werden. Kein artiges Frage- und Antwortspiel, sondern ein Streitgespräch ist das Ziel. Schließlich haben Gespräche mit Prominenten hier seit 20 Jahren Tradition, Bundespräsident Johannes Rau war hier, ebenso Willy Brandt, Eberhard Diepgen und Heinz Galinski.

Die Mädchen sitzen in der ersten Reihe - sie hoffen, dass Teenie-Schwarm Sebastian Deisler mitkommt. Von vorne könnte man ihm besser schmachtende Blicke zuwerfen. "Er ist ein Kandidat zum Verlieben", gesteht Christina, die oft beim Training zuschaut. Wie Grundschüler hängen die 17- und 18-Jährigen am Fenster, bis endlich der schwarze Mercedes vorfährt. Ohne Deisler. Der Manager kommt eine Stunde zu spät, bleibt dafür zwei Stunden. Jugendförderung, Kommerzialisierung des Fußballs, Nazigesänge im Stadion: Er weicht keiner Frage aus, antwortet ausführlich. Dürfen die - schließlich erwachsenen - Spieler Kritik äußern oder gibt es bei Hertha einen Maulkorberlass, will Pamela wissen. "Wir sind mit einem Unternehmen vergleichbar, von dem man Schaden abhalten muss. Konstruktive Kritik im Verein ist angebracht, aber es kann nicht jeder öffentlich sagen, was er denkt", erklärt Hoeneß. Das gelte auch bei politischen Themen. Seine Gesinnung so zu äußern wie Lienen oder Breitner, hält der Manager für "gefährlich. Man kann Stellung nehmen, zur Atompolitik oder der Friedensbewegung etwa, ohne sich parteipolitisch zuordnen zu lassen. Das fällt sonst irgendwann auf einen zurück".

Helge ist entsetzt, weil rechtsradikale Hertha-Fans im Stadion Lieder wie "Wir bauen eine U-Bahn von St. Pauli bis Auschwitz" singen. Der Verein, so Hoeneß, habe bereits Hausverbote erteilt, "aber wir können die Leute nicht an der Kasse nach ihrer Gesinnung fragen. Das ist ein gesellschaftspolitisches Problem". Man müsse die Balance finden zwischen Beachtung und Überhöhung, um den Betreffenden keine Plattform zu bieten. Nur einmal wird Hoeneß plötzlich unwirsch, als Jens fragt, warum erst jetzt ein Jugendinternat zur Nachwuchsförderung entstehe und stattdessen so viele ausländische Spieler geholt würden. Er habe Prioritäten setzen müssen, als er vor dreieinhalb Jahren zu Hertha gekommen sei, "damals hat kein Schwein von uns gesprochen, es war erst einmal wichtig, Hertha wieder zu einem Begriff zu machen". Der Manager grantelt kurz, "ich lasse mich nicht von der Seite anrotzen". Und überhaupt, "gegen Rassismus sein und ein Ausländerproblem haben...". Jens ist perplex, hat es gar nicht so gemeint. Er entschuldigt sich mehrmals, der Schulleiter nimmt ihn in Schutz: "Jens ist ein ganz Netter." Da lacht Hoeneß längst wieder. War nicht so gemeint. Jens ist eben kein abgebrühter Journalist, der über so harsche Worte nur lacht.

Kristina, Deisler-Fan wie Christina, fragt, ob "Basti eine Freundin hat". Hoeneß schmunzelt, "ich glaube nicht, es kann sein, dass er Mädchen trifft". Locker werfen sich Hoeneß, der kein bisschen gestresst, sondern ganz entspannt ist, und die Schüler die Bälle zu. Frauenfußball? "Ich gestehe, dass ich lange nichts davon gehalten habe." Die Gruppe johlt, Hoeneß fügt schnell hinzu "inzwischen wird von Frauen auch technisch guter Fußbal gespielt". "Würden Sie lieber ein Frauenteam managen oder einen neuen Beruf ergreifen?" Dann doch ein neuer Beruf, "ich könnte mich nicht in die Psyche einer Fußballerin versetzen.

Zum Schluss gibt es Sekt, Hoeneß lobt die "super interessanten Fragen", Pentzliehn seine Schüler. Der Schulleiter lässt sich ein Autogramm geben, für Sohn Marinho, benannt nach "dem einzigen blonden brasilianischen Nationalspieler". Den Mädchen verspricht Hoeneß, "dass ich Basti grüße".Der Verein im Internet

www.herthabsc.de

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