Sport : Der Hochspringer Sotomayor steht wegen Kokaineinnahme vor zweijähriger Sperre

Eric Dobias

Javier Sotomayor hat für den größten Dopingfall seit Ben Johnson gesorgt und die internationale Leichtathletik gut zwei Wochen vor der Weltmeisterschaft in Sevilla in einen Schockzustand versetzt. Der Hochsprung-Weltrekordler aus Kuba wurde bei den Panamerikanischen Spielen der Einnahme von Kokain überführt und muss mit einer 2-jährigen Sperre rechnen. Der Generalsekretär des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Istvan Gyulai, erklärte, dass Kokain ein "sehr starkes stimulierendes Mittel" sei. Anders als bei Stimulanzien wie Koffein oder Ephedrin sehe die IAAF bei Kokain eine Sperre von zwei Jahren vor. Javier Sotomayor bezeichnete sich in einer ersten Stellungnahme als "Opfer einer Intrige". Kokain kenne er nur aus Filmen, "ich brauche so etwas nicht, um 2,30 m hoch zu springen".

IAAF-Präsident Primo Nebiolo erklärte in Monte Carlo: "Ich bin geschockt und kann es nicht glauben. Ich bin sehr überrascht und etwas verunsichert, denn ich empfinge Hochachtung für Sotomayor." Im Urin des 31-jährigen zweimaligen Weltmeisters aus Kuba wurden nach Angaben von Mario Vasquez Rana (Mexiko), dem Präsidenten der Panamerikanischen Sport-Organisation (ODEPA), 200 Nanogramm Kokain gefunden. Dem mit 2,45 m besten Hochspringer der Welt wurde daraufhin die in Winnipeg gewonnene Goldmedaille aberkannt. Sotomayor muss nun ernsthaft um die Teilnahme an den Titelkämpfen in gut zwei Wochen in Sevilla und an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney bangen. Eine Sperre würde wohl zum vorzeitigen Karriereende eines der bedeutendsten Athleten aller Zeiten führen.

In der Dopingliste der IAAF wird das Aufputschmittel Kokain nicht unter Stimulanzien, sondern als verbotene Substanz geführt. Die Entscheidung liegt zunächst beim kubanischen Leichtathletik-Verband. Sollte keine Sperre ausgesprochen werden, will die IAAF handeln. Dabei könnte der Weltverband jedoch unter großen Zeitdruck geraten, denn die Entscheidung der Kubaner könnte durchaus auf sich warten lassen. Auf der Karibikinsel wittert man bereits ein politisches Komplott gegen den Sport-Helden, der ein enges Verhältnis zu Staatspräsident Fidel Castro hat. "Für uns ist es absolut ausgeschlossen, dass Sotomayor die Substanz genommen hat. Er hat uns gesagt, dass er die Substanz nicht genommen hat, und wir glauben seinem Wort. Für uns steht fest, dass eine Manipulation vorliegt", erklärte der kubanische Chefarzt Rodrigo Alvarez Cambra. Sotomayor habe ein Medikament gegen Magenschmerzen erhalten, von dem man nicht gewusst habe, dass es Kokain enthalte.

Eine kontroverse Diskussion hat der Dopingfall Linford Christie auf der britischen Insel ausgelöst. Zahlreiche namhafte Athleten solidarisierten sich mit dem wegen Dopingmissbrauch suspendierten Sprint-Olympiasieger von 1992, dessen Dopingprobe beim Hallenmeeting am 13. Februar in Dortmund die Einnahme des anabolen Steroids Nandrolon ergeben hatte. "Da stimmt was nicht mit den Dopingtests", wird Dreisprung-Weltrekordler Jonathan Edwards im "Mirror" zitiert. Und Hürdensprinter John Ridgeon erklärte: "Es hat zu viele Fälle gegeben, bei denen Nandrolon festgestellt wurde. Die Behörden sollten die Tests überprüfen."

Der britische Leichtathletik-Verband UK Athletics hat angekündigt, den Fall so schnell wie möglich durch die Disziplinarkommission, die normalerweise erst in zweiter Instanz entscheidet, behandeln zu lassen. Der 100-m-Olympiasieger von 1992 beteuerte erneut vehement seine Unschuld. "Ich bin doch praktisch zurückgetreten. Dass ich am Ende meiner Karriere Doping genommen haben soll, ist doch lächerlich. Ich war schockiert, als ich die Meldung hörte. Ich bin unschuldig, und ich werde das jedem erzählen", sagte Christie. Um das Mittel Nandrolon gibt es seit einiger Zeit eine rege Diskussion. Sportmediziner haben des öfteren darauf hingewiesen, dass Nandrolon auch in der Natur vorkomme oder sogar vom Körper selbst produziert werden könne.

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