Sport : Der HSV holpert weiter

Aufsteiger Cottbus erkämpft ein 2:2 gegen den Titelanwärter aus Hamburg

Karsten Doneck[Cottbus]

Günter Perl wollte das Spiel laufen lassen. Nur: Da hielt sein Assistent Deniz Aytekin an der Seitenlinie unentwegt die Fahne nach oben. Perl registrierte das mit geübtem Blick, fragte nach. Nach längeren Diskussionen ging der Schiedsrichter aus München schließlich zielsicher in den Strafraum des Hamburger SV und zeigte auf den Elfmeterpunkt. David Jarolim soll auf der Linie einen Schuss des Cottbusers Mariusz Kukielka mit der Hand abgewehrt haben. Den Strafstoß verwandelte Vlad Munteanu sicher zum 1:1. Am Ende freute sich Aufsteiger Energie Cottbus, im ersten Heimspiel nach dreijähriger Bundesliga-Abwesenheit den – vermeintlich großen – HSV mit einem 2:2 (0:1) wenigstens ein bisschen geärgert zu haben.

Der Ärger der Hamburger nach dem zweiten Unentschieden im zweiten Saisonspiel manifestierte sich aber vordergründig an Schiedsrichter Perl. „Das war kein Elfmeter“, sagte Verteidiger Rene Klingbeil. „Das kann doch gar kein absichtliches Handspiel gewesen sein, so gute Reflexe hat Jarolim doch gar nicht“, sagte Innenverteidiger Bastian Reinhardt, der – erst recht nach dem wahrscheinlichen Abschied von Khalid Boulahrouz zum FC Chelsea – auf dem besten Weg zum Stammspieler ist. Der Elfmeter löste aber auch auf der Gegenseite Diskussionen aus. Übereinstimmende Meinung bei den Cottbusern: Wenn Günter Perl schon Elfmeter gibt, dann hätte er Jarolim auch gleich Rot zeigen müssen. So schreibt es die Regel vor. Für Petrik Sander, den Cottbuser Trainer, gab es für die Szene eine viel simplere Lösung: „Der Ball war bei dem Abwehrversuch sowieso schon hinter der Linie, da gibt der Schiedsrichter Tor, es steht 1:1 – und dann geht’s weiter.“

Weiter ging es mit viel Hektik, gipfelnd in einem Platzverweis für den Hamburger Guy Demel. Der hatte in einer unübersichtlichen Situation angeblich „nur seinen Landsmann Sanogo schützen wollen“, so die Sichtweise von HSV-Trainer Thomas Doll. Schiedsrichter Perl beriet sich wieder mit seinem Assistenten, zog dann Rot. Die heftigst provozierenden Cottbuser McKenna und Da Silva kamen ungestraft davon, nicht einmal eine Gelbe Karte war ihr aggressives Reklamieren dem Schiedsrichter wert.

„In der zweiten Halbzeit hat es mir keinen Spaß mehr gemacht zuzugucken. Da war zu viel Hektik, zu viel Durcheinander im Spiel“, sagte Doll. In diesem Durcheinander verspielte der HSV seine 1:0-Führung, erzielt durch einen Distanzschuss von Boubacar Sanogo. Zwölf Minuten nach Munteanus Elfmeterausgleich brachte Sergiu Radu die Cottbuser sogar in Führung. Mitten in die Jubelorgie im Stadion der Freundschaft hinein platzte Energie-Torwart Tomislav Piplica mit einem schweren Fehler. Van der Vaarts Eckball unterlief Piplica, am hinteren Pfosten bugsierte Nigel de Jong den Ball über die Linie zum 2:2-Endstand.

Ein Ergebnis, das beide Seiten nicht ganz zufriedenstellte. „Einerseits bin ich stolz auf die Leistung meiner Mannschaft, andererseits war der Lohn mit einem Punkt zu wenig“, sagte Petrik Sander. „Wir haben einen kleinen Holperstart“, sagte Thomas Doll und fand: „Wir können besser Fußball spielen.“

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