Sport : Der HSV macht es spannend

Karsten Doneck

Martin Pieckenhagen war bereit für den Abschlag. Doch bevor er zum Schuss kam, ertönte ein langer Pfiff. Schluss in der AOL-Arena. Wütend knallte der Torhüter des Hamburger SV den Ball auf den Rasen. Pieckenhagen war sauer. Sauer darüber, dass für seine Mannschaft gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen vor 54 503 Zuschauern nur ein 1:1 (1:1) herausgesprungen war. "Ich glaube, ich habe in der zweiten Hälfte nur einmal den Ball in den Händen gehalten", sagte der Schlussmann und wollte damit dokumentieren, dass der HSV doch bei derlei Überlegenheit über den Tabellenführer eigentlich drei Punkte hätte einfahren müssen. Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller sah das anders. "Wir haben zwar einige Konter zugelassen, aber hatten selbst auch noch die eine oder andere Chancen nach der Pause", meinte Toppmöller. Und kam zu dem Ergebnis: "1:1 - das ist wohl gerecht."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Sergej Barbarez hatte die Gastgeber früh in Führung gebracht, Oliver Neuville glich kurz darauf aus. Es war durchaus erstaunlich, mit welchem Engagement der HSV, in der Tabelle jenseits von Gut und Böse, die Aufgabe anging. Als wollten die Hamburger die Liga partout wieder spannend machen. Und weil auch Bayer kein Bein zurückzog, entwickelte sich eine Partie mit einigen Boshaftigkeiten. An den Video-Tafeln in der AOL-Arena leuchtet in einer Zeile stets auch die aktuelle Temperatur auf. Sie lag beim Anpfiff bei sieben Grad, zehn Minuten vor Schluss waren bereits neun Grad erreicht. Mancher Beobachter vermutete schon, der Temperatursprung sei auf die Auseinandersetzungen auf dem Rasen zurückzuführen. Zumindest Sergej Barbarez übertrieb es mit der Leidenschaft, seine wenig feine Art, bei Spielunterbrechungen die Hektik immer wieder als Provokateur anzuheizen, blieb ungestraft. Die Gelbe Karte bekam er trotzdem - für ein dummes Foul an Ramelow an der Mittellinie. Dass beide Mannschaften das spielerische Element zugunsten einiger Ruppigkeiten zurückstellten, wollte indes Torwart Pieckenhagen der eigenen Mannschaft nicht anlasten. "Leverkusen hat angefangen", meinte der Torwart, "aber der Schiedsrichter hat die ja die ganze Zeit über geschützt." Das tat Referee Hartmut Strampe allerdings Unrecht.

Bayer bleibt Tabellenführer. "Wie wichtig dieser Punkt in Hamburg war, das kann ich erst am 4. Mai sagen", sagte Toppmöller. Der 4. Mai - das ist das Datum des Saisonendes. Und das Ziel hat der Bayer-Trainer nach dem Remis beim HSV noch einmal ganz klar definiert. "Wir setzen alles daran, Deutscher Meister zu werden", sagte Toppmöller, "dieses Ziel hat Priorität. Dafür, dass wir die Schüssel holen, würde ich auch Champions League und DFB-Pokal hergeben."

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