Sport : Der HSV setzt die Bayern unter Druck

Tabellenzweiter siegt 1:0 in Wolfsburg und verkürzt den Rückstand vorerst auf drei Punkte

Karsten Doneck[Wolfsburg]

Vom Hamburger SV wird viel erwartet. Der Plan aller Fußball-Fans, die noch auf eine spannende Restsaison hoffen, sah vor diesem Wochenende so aus: Der HSV schlägt Wolfsburg am Samstag, und der FC Bayern unterliegt Schalke am Sonntag. Dann wären es nur noch drei Punkte zwischen Tabellenführer und Verfolger. Doch das ganz große Vertrauen haben die Hamburger offenbar nicht gespürt: „Viele haben doch gedacht, dass wir vom Mittwoch her noch müde sind, und uns deshalb nichts zugetraut“, sagte Mittelfeldspieler David Jarolim nach dem gestrigen Spiel. Doch sein entspannter Gesichtsausdruck verriet, dass der Hamburger SV an diesem Samstagnachmittag die Zweifler widerlegt und die Hoffnungen auf mehr Spannung erst einmal erfüllt hatte: Mit einem 1:0 (1:0)-Sieg beim VfL Wolfsburg setzte er die Bayern unter Druck.

Nur vier Tage nach dem kräftezehrenden 3:1 gegen Rapid Bukarest und dem damit verbundenen K.o. im Uefa-Pokal raffte sich die Mannschaft zu einer kompakt-robusten Vorstellung auf. „Wolfsburg hat es nicht verstanden, uns groß zu gefährden“, stellte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer zufrieden fest. Am 15. Oktober 2005 hatten die Wolfsburger mit einem 1:0 dem HSV in der AOL-Arena noch die einzige Hinrunden-Niederlage zugefügt. Nach dem Abpfiff hatten sich damals auf dem Rasen tumultartige Szenen abgespielt, in deren Verlauf es Rote Karten gegen Wolfsburgs Franz und Hamburgs van der Vaart gegeben hatte.

Diesmal blieb vor 28 095 Zuschauern, darunter etwa 5000 HSV-Fans, alles im sportlichen Rahmen. Der Zettel mit der Spielstatistik verriet, dass der VfL Wolfsburg ein Übergewicht besaß. 16 Torschüsse verzeichneten die Niedersachsen, nur neun der HSV. 58 Prozent Ballkontakte hatten die Wolfsburger, sie gewannen auch 52 Prozent der Zweikämpfe. „Die Daten sprechen doch klar für uns“, sagte VfL-Trainer Klaus Augenthaler . Doch das entscheidende Tor fiel gegen den VfL: Einen Pass von Sergej Barbarez nahm Benjamin Lauth mit, er ließ dabei im Laufduell Wolfsburgs Facundo Quiroga stehen und schob den Ball an Torwart Simon Jentzsch vorbei zum 1:0 ins Netz. Es war Lauths dritter Treffer im dritten Pflichtspiel innerhalb von nur einer Woche. Der ehemalige Münchner stand schon auf der Vorstufe, als Fehleinkauf behandelt zu werden. „So kann er weitermachen“, sagte Beiersdorfer. „Er ist auf dem Weg, vor allem sich selbst, aber auch uns zu beweisen, dass er zu Recht beim HSV spielt“, fügte Trainer Thomas Doll an.

Der HSV, der zuvor in acht Spielen in Wolfsburg erst einmal gewonnen hat, betrieb trotz des anstrengenden Uefa- Cup-Auftritts vom Mittwoch ein Spiel mit hohem Kraftaufwand. Heraus kam eine Partie, in der spektakuläre Strafraumszenen Rarität blieben. Und so bleibt es eigentlich verwunderlich, wieso sich Klaus Augenthaler beklagte, dass Schiedsrichter Felix Brych aus München nur zwei Minuten nachspielen ließ. „Fünf Minuten wären gerechtfertigt“, schimpfte der VfL-Trainer, „allein schon durch die Zeitverzögerungen von Kirschstein.“ Vielleicht wollte der HSV-Torwart auf diese Weise seinen Mangel an Ballkontakten kompensieren. Die Wolfsburger ihrerseits erweckten freilich nicht den Eindruck, dass sie selbst bei einer Viertelstunde Nachspielzeit noch Tormöglichkeiten herausholen würden.

Vielleicht wirkte sich auch aus, dass Mike Hanke nach einer Viertelstunde verletzt ausgeschieden war. Bei Spielschluss war der Stürmer schon im Krankenhaus. Er wird wegen einer schweren Beckenprellung behandelt. Der Einsatz des Nationalspielers beim Länderspiel am Mittwoch gegen die USA ist fraglich.

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