Sport : Der Hürdensprinter hatte seinen Kollegen Schwarthoff beleidigt

Robert Hartmann

Falk Balzer suchte am Donnerstag in seiner Heimatstadt Chemnitz Florian Schwarthoff auf. Es war ein schwerer Gang. Denn er musste sich bei seinem Kollegen entschuldigen. "Er ist für mich kein Mann", hatte der Hürdensprinter Balzer in "Sport-BILD" gesagt, und: "Er heult zu oft." Schwarthoff hatte sich bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Sindelfingen darüber beschwert, dass ihn der spätere Sieger Balzer während des 60-m-Hürden-Finales zweimal vor die Brust schlug.

Balzers Entschuldigung war nicht nur ein Gebot des Anstands, sondern auch der Vernunft. Denn Rüdiger Nickel hatte sich auch schon deutlich zum Balzerschen Zitatenschatz geäußert. Der Leistungssportchef im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) erinnerte den Sachsen einfach nur an die Nominierungsrichtlinien, etwa für die im September anstehenden Olympischen Spiele. "Darin verpflichtet sich der Athlet dem Fair-Play-Prinzip und der Vorbildwirkung eines Athleten." Jedenfalls will Nickel vor der Hallen-EM in Gent (Belgien) noch ein Gespräch mit Falk Balzer und auch seiner Freundin führen, der WM-Zweiten über 400 m, Anja Rücker. Im übrigen sei es ihm noch nicht aufgefallen, "dass Florian weinerlich ist".

Der Jurist Nickel hat aber auch Falk Balzers Mutter Karin im Blickwinkel. Die war bis Jahresende 1999 Honorartrainerin des DLV und soll bei der WM 1999 in Sevilla geäußert haben, die 400-m-Europameisterin Grit Breuer sei gedopt. Eine Zeugin will es gehört haben, doch die Beschuldigte wies die schwere Beschuldigung mit dem Ausdruck "Verleumdung" sofort zurück. Balzer, die auch Anja Rücker trainiert, beklagte sich zudem, sie könne in Sydney weder Rücker noch ihren Sohn betreuen, weil sie beim DLV nicht mehr unter Vertrag stünde. Deshalb erhalte sie keine Akkreditierung. Doch Nickel weist diesen Vorwurf zurück. "In dieser Hinsicht ist noch keine Entscheidung gefallen. Erstens nehmen wir nicht alle Honorartrainer mit, und zweitens haben schon immer auch Heimtrainer eine Akkreditierung erhalten. Karin Balzer hätte gute Chancen." Die fühlt sich mittlerweile wieder wohler. "Ich bin Rentnerin und unabhängig, wir arbeiten in Ruhe auf unserer kleinen Insel", sagte sie vor kurzem. Und für den Flug nach Sydney werde sie schon einen Gönner finden, kein Problem.

Das klingt schön, dummerweise hört es sich aber ein bischen zu sehr nach Zweckoptimismus an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar