Sport : Der in São Paulo Disqualifizierte vermutet Ferrari-Bevorteilung

Das Desaster von Sao Paulo ist abgehakt, dafür blickt McLaren-Mercedes bereits nach Imola. Ausgerechnet beim Ferrari-Heimspiel am 9. April will das Team von Weltmeister Mika Häkkinen die Wende im Formel-1-Titelrennen erzwingen und Michael Schumacher die erste Saison-Niederlage beibringen. "Wir werden in Imola um den Sieg mitfahren", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Dass die Silberpfeile aus der Erfolgsspur gekommen sind, muss auch Haug selbstkritisch eingestehen: "Wir haben im Moment große Defizite in der Zuverlässigkeit." Nach dem doppelten Motorschaden in Melbourne gab es in Brasilien an Häkkinens Auto diesmal Probleme mit dem Öldruck. Beim Wagen von David Coulthard streikte teilweise das Getriebe, trotzdem fuhr er als Zweiter ins Ziel. Dass der Schotte wegen eines regelwidrigen Frontflügels disqualifiziert wurde, passt ins Bild.

"Ich war schon nicht glücklich über den zweiten Platz, als ich die Strecke verließ, die Disqualifikation jedoch ist ein Schock", erklärte Coulthard bei seiner Ankunft auf dem Londoner Flughafen Heathrow. Der Schotte sagte, als Fahrer könne er nur sein Bestes geben und dabei hoffen, "dass das Auto okay ist". Der englischen Zeitung "The Express" verriet Coulthard, dass er das Urteil für "faulen Zauber" halte, da Ferrari in diesem Jahr den WM-Titel gewinnen solle. Ein Fünkchen Hoffnung bleibt Coulthard noch, denn McLaren-Mercedes hat gegen den Ausschluss Einspruch eingelegt. Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes Fia wird den Fall am 4. oder 5. April in Paris verhandeln. "Ich hoffe natürlich, dass ich meine Punkte zurückbekomme. Ferrari hatte im vergangenen Jahr nach Malaysia Erfolg, warum nicht auch wir?"

Unabhängig vom Ausgang der Verhandlung weiß Mercedes-Sportchef Haug, dass man vor allem gegen die eigenen Pannen konzentrierter vorgehen muss: "Wir lassen uns nicht aus dem Konzept bringen, sondern werden weiter hart arbeiten. Wir werden die Früchte bestimmt noch ernten." Dass die Silberpfeile schnell sind, haben sie im Qualifying in Melbourne und Sao Paulo bewiesen, wo Häkkinen und Coulthard jeweils die erste Startreihe bildeten. Im Rennen in Australien führten die beiden bis zu ihren Ausfällen das Feld an, in Brasilien waren sie nur wegen einer anderen Boxenstopp-Strategie in der Anfangsphase etwas langsamer als Ferrari. Und vor seinem Ausfall fuhr Häkkinen klar auf Siegeskurs.

"Wir können aus eigener Kraft um den Sieg fahren", meint Haug. "Die Ergebnisse müssen wir nur ins Ziel bringen. Da kam uns bisher eine Verkettung unglücklicher Umstände dazwischen, Probleme, wie sie beim Testen nicht aufgetreten sind." Ein Blick auf die Punktestände in Fahrer- und Konstrukteurs-WM ist für die Schwaben derzeit wenig erfreulich. Michael Schumacher hat in der Fahrerwertung 20 Punkte auf dem Konto, Ferrari in der Team-Weltmeisterschaft 26. McLaren-Mercedes, Häkkinen oder Coulthard tauchen ohne Zähler in den Listen noch gar nicht auf.

"Wir hatten in den beiden Übersee-Rennen nicht den Start, den wir uns vorgestellt haben", sagt Haug, erinnert aber an die Saison 1998: "Da hatten wir Mitte des Jahres bereits 22 Punkte Vorsprung auf Schumacher, ein Rennen vor Schluss lagen wir dann aber wieder gleichauf." Damals mit dem besseren Ende für Häkkinen.

Für den Großen Preis von San Marino am 9. April ist das Autodrom in Imola fast ausverkauft, vermeldete die italienische Presse. Klar scheint für die einheimischen Medien allerdings auch nach zwei Saisonrennen schon zu sein, wer in diesem Jahr Weltmeister wird. Der "Corriere dello Sport" kommentierte die Coulthard-Disqualifikation mit der Schlagzeile: "Jetzt steht Schumi nichts mehr im Weg."

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