Sport : Der jüngste Held von 1954

WM-Sieger Horst Eckel wird heute 75 Jahre alt

Hartmut Scherzer

Kaiserslautern - Wer etwas zählt in der Pfalz, ist heute Abend ins Fritz-Walter-Stadion eingeladen. Nicht zu einem Spiel des 1. FC Kaiserslautern, sondern zur Geburtstagsfeier für Horst Eckel in der Gastronomie der Nordtribüne. Der Benjamin der Helden von Bern wird 75 Jahre alt. Vor dem Fest stellt er sich für 20 Minuten für Interviews zur Verfügung. Dabei sind all die Anekdoten und Episoden rund um das „Wunder von Bern“ mehr als abendfüllend. Horst Eckel hat sie schon mehr als hundert Mal erzählt.

Als einer von drei noch lebenden Endspiel-Weltmeistern von 1954 neben Ottmar Walter (82) und Hans Schäfer (79) hält der rüstige Zeitzeuge auch heute noch den „Geist von Spiez“ und den „Mythos von Bern“ hoch. Eckel war natürlich auch Chefberater von Regisseur Sönke Wortmann bei den Dreharbeiten für dessen Film „Das Wunder von Bern“. Er ist nun einmal der authentische Historiker des geschichtlichen Ereignisses vom 4. Juli 1954, Wankdorfstadion Bern, 3:2- Sieg im Endspiel der Fußball-WM gegen das hoch favorisierte ungarische „Wunderteam“.

Der pensionierte Realschullehrer lebt immer noch in seinem Geburtsort Vogelbach, einem Dorf zwischen Kaiserslautern und Homburg, von wo er einst als 15-Jähriger mit dem Fahrrad losfuhr, um den 1. FCK und sein großes Idol Fritz Walter zu entdecken. Der „Windhund“, wie der schmale, aber schnelle rechte Läufer damals genannt wurde, schaffte den Sprung an die Seite Fritz Walters im Verein und spielte von 1952 bis 1958 32-mal für Deutschland. Für das Endspiel in Bern hatte ihm Sepp Herberger eine Schlüsselrolle aufgetragen: „Horst, es ist Ihre Aufgabe, Hidekuti auszuschalten.“

Wenn Eckel erzählt, wiederholt er die tiefe Ehrfurcht vor Sepp Herberger. „Eine Vaterfigur, ein autoritärer Typ, den ich nie richtig lachen gesehen habe“, sagt Eckel. „Bei Herberger mussten wir immer singen, hauptsächlich vor und nach dem Training. Als es in Bern in der Kabine ziemlich ruhig war, rief Herberger plötzlich: „Jungs, Ihr seid Weltmeister. Wollt Ihr nicht mal anfangen zu singen?’“

Horst Eckel hält sich fit, körperlich und geistig. Der Vater zweier Töchter erklärt sein Wohlbefinden so: „Ich lebe normal, esse normal und mache immer noch sehr viel Sport.“ Er spielt nahezu regelmäßig noch Fußball und Tennis. Eckel hat soziale und repräsentative Aufgaben übernommen, besucht Jugendstrafanstalten, erfüllt als Vertreter der Sepp-Herberger-Stiftung und als Kurator der Fritz-Walter-Stiftung das Vermächtnis der beiden großen Bezugspersonen in seinem Fußballleben. Bei der WM 2006 war er Botschafter Kaiserslauterns.

Wenn Horst Eckel über die Weltmeisterelf von 1954 plaudert, liegt ihm eine Klarstellung stets ganz besonders am Herzen. Er sagt: „Wir verspüren keinen Neid auf die späteren Generationen, die so viel Geld verdienen. Wir hatten dafür die schönere Zeit.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben