Sport : Der jüngste Weltmeister

Alonso ist in der Formel 1 ganz vorn angekommen

Karin Sturm[Sao Paulo]

Um genau 15 Uhr, 32 Minuten und 50 Sekunden Ortszeit in Sao Paulo kannte der Jubel bei Renault keine Grenzen mehr. Während die Teammitglieder auf die Boxenmauer sprangen, vergoss Fernando Alonsos Vater José Luiz in der Box ein paar Tränen der Freude und der Erleichterung. Und die Sektkorken knallten: In den Straßen von Fernando Alonsos asturischer Heimatstadt Oviedo genauso wie im „Asturischen Haus“ in Sao Paulo, wo sich die Gemeinde der hier lebenden Spanier und natürlich vor allem der Asturier vor einer Großbildleinwand versammelt hatten. Alonso hatte es geschafft: Mit einem dritten Platz hinter den beiden McLaren-Mercedes-Piloten Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen beim Grand Prix von Brasilien holte er sich seinen ersten Weltmeistertitel in der Formel 1, als erster Spanier und auch als jüngster Weltmeister überhaupt. Mit 24 Jahren und knapp zwei Monaten.

„Ich habe mir meinen größten Traum erfüllt, mein höchstes Ziel erreicht", sagte der Spanier, der auf dem Siegerpodest mit Silberkonfetti und in der Renault-Box mit dem Abba-Titel „Fernando“ gefeiert wurde. „Jetzt gilt es für mich, mir neue Ziele zu setzen.“

Das Rennen hatte auf der stellenweise noch leicht feuchten Strecke dramatisch begonnen, mit einem Unfall in der ersten Kurve, der beide BMW-Williams mit Antonio Pizzonia und Mark Webber sowie David Coulthard im Red Bull aus dem Rennen riss. Für eine Runde musste das Safety-Car auf die Strecke – und gleich nach dem Neustart schnappte sich Juan Pablo Montoya Fernando Alonso, der aber auch nicht wirklich Gegenwehr leistete. Sicherheit ging bei ihm vor. Nach der ersten Runde der Boxenstopps hatten die Silberpfeile mit Montoya und Räikkönen, die deutlich länger draußen geblieben waren, die Doppelführung übernommen, doch Alonso war genau dort, wo er für den WM-Titel sein musste: auf einem sicheren dritten Platz.

Damit waren sämtliche Ambitionen, in Sao Paulo zu gewinnen, mit einem Sieg Weltmeister zu werden, unrealistisch geworden. Alonso musste wohl einsehen, dass auch mit dem deutlich verbesserten Renault gegen McLaren-Mercedes nichts auszurichten war. Auch wenn nach dem Training bereits der Eindruck entstanden war, die Renault hätten aufgeschlossen. Das Rennen dann zeigte ein anderes Bild. „Wir haben auch hier wieder dominiert, souverän gewonnen. So ein Doppelsieg ist natürlich eine tolle Sache“, bilanzierte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. „Ich gratuliere Renault und Fernando Alonso zum Titel, sie haben über die ganze Saison hinweg einfach mehr Punkte geholt und deshalb verdient gewonnen. Aber immerhin haben wir jetzt zwei Punkte Vorsprung in der Konstrukteurs-WM. Das Ziel muss sein, jetzt auch die beiden letzten Saisonrennen zu gewinnen.“

Irgendwie passte es ja zum gesamten Bild dieser Saison: Ausgerechnet in dem Rennen, in dem die McLaren-Mercedes den ersten Doppelsieg feierten, den ersten seit über fünf Jahren, wurde Fernando Alonso endgültig Weltmeister der Formel 1 und damit der Nachfolger von Michael Schumacher. Der siebenmalige Champion gratulierte seinem Nachfolger: „Fernando hat das ganze Jahr über eine sehr, sehr gute Leistung geboten, praktisch keine Fehler gemacht – und schon sehr viel Reife gezeigt. Er ist ein verdienter Weltmeister, dazu auch ein netter Kerl. Aber ich werde versuchen, mir den Titel 2006 zurückzuholen.“

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