Sport : Der Kampf mit sich selbst

Eisbären-Torhüter Ziffzer entwickelt sich langsam vom Schwachpunkt zur Stütze

Claus Vetter

Berlin – Hans Zach hat sein rhetorisches Repertoire erweitert, um das Prädikat „unglaublich“. „Stolz“ ist der Eishockey-Trainer meist auf seine Spieler, Freitag war er im Sportforum Hohenschönhausen auf seine Hannover Scorpions sogar „unglaublich stolz“, nach einem 1:5 bei den Eisbären. Wie geht das? „Der Ziffzer hat eben alles gehalten.“ Als Zach das sagte, kleidete sich der Gelobte gerade in der Kabine der Eisbären um. Eine Ehrenrunde, die Sympathiebekundungen der Fans, das lag hinter ihm: Youri Ziffzer hatte den größten Anteil am Erfolg. Denn nach einer 4:0-Führung im ersten Drittel hatten die Eisbären „nicht mehr gearbeitet“, wie ihr Trainer Pierre Pagé feststellte.

Nur der, auf den es dann ankam, hatte gearbeitet. Wieder einmal, wie sein Mannschaftskapitän Steve Walker findet. „Der Youri hat in den letzten Spielen einfach großartig gehalten“, sagt der erfahrene Kanadier. Wer hätte das gedacht? An sich wurde und wird die Torwartposition der Eisbären als Schwachstelle angesehen, trauen wenige den Berlinern zu, dass sie die Saison mit ihren je erst 20 Jahre alten deutschen Torhütern Ziffzer und Daniar Dshunussow zu Ende spielen werden.

Vergangenes Jahr mussten Ziffzer und Dshunussow nach schwachen Leistungen zuschauen, weil die Eisbären den Tschechen Tomas Pöpperle verpflichteten. In diesem Jahr möchte Ziffzer ein solches Szenario verhindern. „Ich will dem Management die Entscheidung so einfach wie möglich machen“, sagt er. „Die Situation ist ja auch anders als im letzten Jahr. Schließlich habe ich 18 von 20 Spielen gemacht.“ Und seine statistischen Werte sind besser geworden: Vergangene Saison stand er nur 13 Mal im Eisbären-Tor, dazu kamen zwei Partien als Leihgabe bei den Hamburg Freezers. 3,26 Gegentore hatte Ziffzer damals zu Saisonbeginn im Schnitt kassiert, obwohl die Eisbären besser dastanden als heute, 2,76 sind es bisher in dieser Saison, und über 90 Prozent der Schüsse auf sein Tor hat Ziffzer abgewehrt.

Das ist in der Deutschen EishockeyLiga zwar noch immer nur ein Mittelwert. Trotzdem glaubt Peter John Lee, dass Ziffzer „begriffen hat, worum es geht“. Der Berliner Manager sagt: „Die Konkurrenz für ihn ist nicht im eigenen Team, sondern in der Liga. Youri muss besser sein als die Torhüter anderer Mannschaften, egal wie erfahren die sind oder wie die heißen.“ Schließlich habe man als Meister hohe Ansprüche. Aber Ziffzer betone selbst oft, dass er besser werden müsse. „Das hörst du bei uns leider nicht von jedem jungen Spieler, viele sind mit zu wenig zufrieden“, sagt Lee.

Ziffzer hat in dieser Saison nicht nur den Kampf mit den Gegnern, sondern auch mit der eigenen Mentalität aufgenommen. „Meine Leistung müssen andere beurteilen“, sagt er, „nicht ich.“ Trotz solcher Auftritte wie gegen Hannover werfen ihm Kritiker immer noch mangelnde Konstanz und Hektik in den Bewegungen vor. Schon heute kann der ehemalige Mannheimer Nachwuchstorwart zeigen, dass er weiter ist, als viele glauben: Bei Tabellenführer Adler Mannheim, wo Nationaltorwart Robert Müller und über 13 000 Zuschauer die Berliner erwarten (14.30 Uhr, live auf Premiere).

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