Sport : Der Kampf um Anerkennung Thunder empfängt Glasgow –

ein Deutscher denkt an Amerika

Ingo Wolff

Berlin . Das hat es bei Berlin Thunder noch nicht gegeben: Ausgerechnet zwei deutsche Footballspieler sind die besten Punktesammler des Teams – ausgerechnet zwei Nichtamerikaner. Sie werden als Nationals bezeichnet, denen acht Plätze im Team vorbehalten werden. Ohne diese Regelung könnten sie mit der Masse der US-Spieler nicht konkurrieren.

Während der ehemalige Fußballprofi Axel Kruse als Kicker immer weit vorn liegt, weil er Extrapunkte und Fieldgoals aus kurzer Entfernung schießt und somit fleißig Punkte sammelt, überrascht die Führung von Jörg Heckenbach schon eher. Der Passempfänger führt mit zwölf Punkten die interne Rangliste an. Der 28-jährige Wide Receiver hat als einziger Spieler bei Thunder zwei Pässe zum Touchdown getragen. Für ihn hat das beim heutigen Heimspiel gegen die Scottish Claymores im Olympiastadion (Beginn: 16 Uhr) eine überaus angenehme Auswirkung: Heckenbach wird zum ersten Mal offiziell in der Startaufstellung erscheinen. Er ist damit in die erste Reihe der Amerikaner gerückt.

Für ihn ist es ein weiterer Schritt, um als Deutscher in dieser amerikanischen Sportart anerkannt zu werden. Heckenbach sagt: „Für Amerikaner ist es einfacher. Sie wachsen mit dem System auf, sie konzentrieren sich auf ihr Können. Ich, der vom Fußball kommt, musste erst mal verstehen, wie das Spiel funktioniert." Nach 15 Jahren in der Football-Branche ist das nun kein Problem mehr. Es gibt nur wenige deutsche Spieler, die es so lange im Profigeschäft ausgehalten haben. Seit sechs Jahren spielt der Versicherungskaufmann in der NFL Europe, erst zwei Jahre bei Frankfurt Galaxy, seit 1999 in Berlin. In seine siebente Saison ist er mit dem Ziel gegangen, „mich jedes Jahr eigentlich nur zu toppen."

Jetzt ist Heckenbach mutiger geworden. Er möchte am Ende der Saison in die NFL – so wie die amerikanischen Spieler. Sie wollen in der zehnwöchigen Saison einem Beobachter aus den USA auffallen und zu einem der 32 Teams ins Trainingscamp eingeladen werden. „Ich wäre überrascht, wenn Jörg am Ende nicht in einem Camp landen würde", sagt Headcoach Peter Vaas. Deshalb hat Heckenbach jetzt einen Agenten in Florida engagiert, der ihn an ein Team vermitteln soll. „Ich habe ihm gerade ein Video mit meinen besten Spielszenen zugeschickt", sagt er.

Schon einmal stand er vor dem Sprung in die USA. Die Dallas Cowboys hatten ihn beobachten lassen, am Ende aber doch nicht eingeladen. In diesem Jahr könnte er mehr Glück haben, denn die NFL denkt über eine neue National-Regelung nach. Heckenbach würde dann keinem Amerikaner den Platz streitig machen. Auch die neue Einkommensgrenze für jedes Team kommt ihm entgegen. Er würde als Neuling für 225000 Dollar spielen. Das entlastet den Etat der Klubs. Noch hat er sieben Spiele in Europa vor sich.

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