Sport : Der Kampf um seinen legendären Ruf

Robert Hartmann

Das "Weltklasse in Zürich", das heute Abend im Letzigrund wieder über die Bühne geht, ist das größte internationale Leichtathletik-Sportfest im jährlichen Terminkalender. Dieses Mal ist es die letzte Station vor den Weltmeisterschaften, die schon neun Tage später in Sevilla beginnen. Die Fragen, die sich deshalb stellen, lauten: Wird das Meeting nur eine Generalprobe für das Hauptereignis sein, oder kann es seine traditionelle Rolle als sich selbst genügendes Schwergewicht behaupten? Jedenfalls wäre es falsch, Zürich nur als fünfte Station in der Golden League (GL) einzstufen. Der Ruf der Züricher mit ihrem Organisator Res Brügger grenzt heute schon ans Sagenhafte. Bei ihnen an der Limat fließen alle Wasser des Sommers zusammen.

Das gilt es zu bewahren. Der Ruf muss auch jenseits der Schweizer Grenzen stets aufrecht erhalten werden. Seit aber der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) als Organisator der Golden League das Sagen hat, ist Sand im Getriebe. Wobei er seine GL-Idee für sieben Stationen von den Golden Four ableitete, der privat-inspirierten Erfindung von Zürich, Brüssel, Oslo und Berlin. Das Schlimmste, was geschehen kann, trat ein. Die GL ist in Deutschland und anderen europäischen Ländern im Fernsehen so gut wie nicht präsent. Weltverbands-Präsident Primo Nebiolo hatte bei der Rechteverteilung zu hoch gepokert, und jetzt müssen hierzulande die Leichtathletik-Interessenten ein Abo beim Pa-TV-Sender Premiere besitzen und zusätzlich einen Decoder. Vermutlich werden das neben Brüssel beste Leichtathletik-Sportfest der Welt heute abend hierzulande nur rund 20 000 Zuschauer genießen. Das geht jetzt noch zwei Jahre so weiter. Was die Sponsoren sagen, kann man sich leicht vorstellen.

Außerdem vereinnahmt die Golden League in hohem Maße die aktuellen Stars wie beispielsweise die Sprinterin Marion Jones (USA). Eigentlich ist sie eingebettet in den Grand-Prix-Wettbewerb von insgesamt 17 Veranstaltungen, die ihr gemeinsames Finale im Münchner Olympiastadion am 11. September haben. Dann werden die aufgelaufenen Preisgelder in Höhe von 3,338 Millionen Dollar verteilt und die Gesamtsieger ermittelt. Die Besten starten natürlich in der Golden League, weil hier das Doppelte an Preisgeldern bezahlt wird. Der Kölner Organisator Manfred Germar musste feststellen, nachdem er zwölf Namen als die absolute Elite genannt hatte, dass er keinen einzigen hatte verpflichten können. Früher war es so, dass die Veranstalter eigene Schwerpunkte setzten, ihre Lieblinge ausguckten und mit ihnen dann das große Spiel wagten, etwa Weltrekordversuche.

Wer von vornherein schon siebenmal antreten muss, oft auch vorab vertraglich verpflichtet, um neben den verdoppelten Prämien auch an den mit einer Million Dollar gefüllten Jackpot heranzukommen, überlegt sich jede zusätzliche Strapaze zweimal.

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