Sport : Der Kanzler stößt an

Die Regierung plant eine Imagekampagne zur WM 2006 – ein Konzept fehlt noch

Robert Ide,André Görke

Berlin - Otto Schily steht auf einer Bühne und zieht die Mundwinkel nach oben. „Lächeln kann man üben“, ruft der Bundesinnenminister dem Publikum bei einem Empfang in Berlin zu. „Probieren Sie es mal! Das entspannt.“

Deutschland freundlich und modern präsentieren – das ist das Ziel der Bundesregierung zur Fußball-WM 2006. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) plant sie eine Imagekampagne für das Land. Für 2006 sind dafür zwölf Millionen Euro Bundesmittel vorgesehen, für kommendes Jahr wurden bereits 10,65 Millionen Euro bewilligt. Das Geld kommt aus dem Erlös einer Goldmünze, mit dem eigentlich die Ausrichtung der WM-Eröffnungsfeier bezahlt werden sollte. Nun, da die Fifa die Feier veranstaltet, widmet die Regierung die Mittel um. Das ruft Kritik im Bundestag hervor – denn ein Konzept für die Imagekampagne liegt einen Monat vor Beginn des Haushaltsjahres nicht vor.

„Dem Parlament muss so rasch wie möglich ein Konzept vorgelegt werden“, fordert jetzt Winfried Hermann, der Abgeordnete der Grünen. Bislang seien weder Zielgruppen der Kampagne noch Abläufe bekannt. Das räumen die Beteiligten auch ein. „Wir befinden uns noch in Anfangsüberlegungen“, heißt es beim BDI. Und Schily sagt: „Wir befinden uns noch mitten in der Diskussion.“

Die Opposition will das Thema heute im Sportausschuss des Bundestages ansprechen. „Die WM gehört uns allen, nicht nur der Regierung“, sagt FDP-Sportexperte Detlef Parr. Die Opposition fürchtet eine Kampagne, die kurz vor der Bundestagswahl vor allem Rot-Grün nützt. „Die WM soll Schröders Flut 2006 werden“, sagt Parr sarkastisch. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte zuletzt mit Industrievertretern beim Abendessen über die Kampagne gesprochen. Seitdem wird an der Initiative mit dem Arbeitstitel „FC Deutschland 06“ gewerkelt – unter anderem im Bundespresseamt.

Ansätze eines Konzepts sind offenbar vorhanden. So wurde von den Beteiligten über ein Ideenpapier diskutiert, bestätigen Regierungskreise. Auch die Suche nach Partnern hat begonnen. Für die Gestaltung von Plakaten wurde vom BDI die Berliner Agentur WeDo angesprochen, die schon das offizielle Fifa-Plakat für die WM gestaltet hat. Das bestätigen Branchenkreise. „Da läuft was, über das ich nicht reden darf“, sagt Gregor C. Blach von WeDo. Im Frühjahr soll die Vergabe des WM-Plakats geklärt sein. Dann wollen auch die Beteiligten von Regierung und BDI erste Ergebnisse vorlegen.

Wirtschaftskonzerne zeigen sich indes bereit, den Ball aufzunehmen. „Wir sind nicht nur WM-Sponsor, sondern haben auch Interesse, den Wirtschaftsstandort zu stützen“, sagt Matthias Schumann, Leiter der Sportkommunikation bei der Telekom. Aus Wirtschaftskreisen heißt es, die Kampagne solle Deutschland als Marke präsentieren, möglichst in den Landesfarben. Auch die Logos der zehn bis zwölf Partner könnten präsentiert werden. „Das Projekt ist sinnvoll“, sagt Meinolf Sprink, der Sportchef von Bayer. „Bei einer WM geht es nicht nur darum, dass das Runde ins Eckige muss.“

Otto Schily hätte bei diesem Satz wohl gelächelt.

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