Sport : Der Kern der Formel 1

Wie sich das Spektakel in einem schmalen Gang fokussiert

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Von Christian Hönicke

Hockenheim. Der Gang ist gut 150 Meter lang und nicht einmal zehn Meter breit. Auf der einen Seite stehen die Lkws, auf der anderen ihre Anhänger. Das ist, was von der Formel 1 übrig bleibt. Es ist ihr Kern: das Fahrerlager. Vom Drumherum, den Fans, der Hysterie, bekommt man hier wenig mit. Mitten im Herzen der Strecke lässt sich das Rennen nur auf dem Bildschirm verfolgen, die freie Sicht auf den Asphalt ist den Fahrern vorbehalten. Wer auf die Tribünen will, um sich die Boliden live anzusehen, wird von den Ordnern freundlich aber bestimmt zurückgeschickt.

Mindestens genauso schwer, wie das Fahrerlager zu verlassen, ist es, dort hinein zu kommen. An den elektronischen Kontrollen, die das Personal mit ihrem unaufhörlichen Piepen irgendwann in den Wahnsinn treiben müssen, kommen nur wenige vorbei – neben Fahrern, Teammitgliedern und Journalisten vor allem geladene Gäste.

An all dem vorbei schleusen Betreuer eilig die Stars, die sich den Zirkus mal anschauen wollen: die Fußballer des FC Bayern zum Beispiel, Boris Becker oder Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Bei Gratisführungen lernen sie, dass die Lkw auf der rechten Seite die technische Ausrüstung beherbergen, während die Anhänger auf der linken Seite vor jedem Rennen zu mobilen Vereinsheimen, so genannten Motorhomes, umgerüstet werden. Darin befinden sich neben den Teamkantinen auch die Räume, wo sich die Fahrer ausruhen, wenn sie nicht gerade auf der Strecke sind. Kurz vor einem Training oder dem Grand Prix bilden sich davor entsprechend große Pulks.

Je weiter sich der Besucher ins Fahrerlager hineinwagt, desto voller wird es. Denn ganz hinten haben die erfolgreichsten Teams Quartier bezogen. Den krönenden Abschluss bildet die signalrote Ferrari-Basis, vor der rund um die Uhr alle möglichen Leute auf den fünfmaligen Weltmeister Michael Schumacher warten, um ein Foto zu schießen oder ein paar Wortfetzen von ihm zu erhaschen. Meist wird daraus nichts, weil Schumacher nicht nur schnell fahren, sondern auch schnell laufen kann und den kurzen Weg vom Motorhome bis in die Garage besser kennt als jede Rennstrecke – bei jeder der 17 Stationen des Formel-1-Kalenders ist der Gang gleich lang. Und auch sonst ändert sich im Fahrerlager von Rennen zu Rennen kaum etwas. Die Mitarbeiter bemerken keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern, auch nicht bei der Küche. Das Essen müssen sich die Teams nämlich immer selbst mitbringen.

Wie gut, dass in den Motorhomes Monitore aufgestellt sind, auf denen ab und zu die Flagge des Gastgeberlandes gezeigt wird. Daran und an der leicht veränderten Lkw-Konstellation können sie erkennen, wo sie sind. Lange dauern ihre Aufenthalte jedoch nie. Direkt nach dem Rennen müssen sie wieder zusammenpacken, und die Lkws fahren weiter zur nächsten Station. Was kurz zuvor das Zentrum der schnellsten Rennserie der Welt war, ist dann nur noch ein grauer, öder Parkplatz. Zurück bleibt nur ein bisschen Müll.

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