Sport : Der Ketchup-Effekt

Bis ins letzte Drittel gelingt den Eisbären kein Tor gegen Iserlohn – am Ende gewinnen sie noch 7:1.

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Auf die Knie. Augsburgs Tobias Draxinger (r.) wird von Claude Giroux ausgespielt, der die Eisbären in Führung brachte. Foto: dapd
Auf die Knie. Augsburgs Tobias Draxinger (r.) wird von Claude Giroux ausgespielt, der die Eisbären in Führung brachte. Foto: dapdFoto: dpa

Berlin – Für Eisbären-Kapitän André Rankel war es ein Spiel „wie eine Ketchupflasche“. Erst sei lange Zeit gar nichts gekommen, dann alles auf einmal. Die 14 100 Zuschauer, die das Spiel gegen die Iserlohn Roosters am Sonntag in der Arena am Ostbahnhof verfolgt hatten, dürften dem zustimmen. Denn zwei Drittel lang bekamen sie keine Tore zu sehen, dafür aber gleich acht in einem denkwürdigen Schlussabschnitt: Die Eisbären siegten schließlich deutlich mit 7:1 (0:0, 0:0, 7:1).

Wer ein Offensivspektakel erwartet hatte, wie es die Gastgeber am Freitag beim 5:1-Sieg gegen die Augsburger Panther zelebriert hatten, wurde zunächst enttäuscht. 40 Minuten lang war vor allem konzentrierte Abwehrarbeit zu sehen. „Tolles Defensiveishockey von beiden Mannschaften“, hatte Gästetrainer Doug Mason gesehen. Die Iserlohner ließen mit ihrer konsequenten Spielweise die beiden Berliner Superstars Claude Giroux und Daniel Brière lange nicht zur Entfaltung kommen. Die klareren Chancen hatten sie außerdem: Drei Mal hatte Sebastian Elwing, der anstelle von Rob Zepp das Eisbären-Tor hütete, Glück, dass die Sauerländer nur das Gestänge seines Kastens trafen. Die Berliner wirkten hingegen im Aufbauspiel oft unkonzentriert, selbst Giroux und Brière leisteten sich einige Abspielfehler.

Im zweiten Drittel traf Eisbären-Coach Don Jackson dann angesichts der mangelnden Durchschlagskraft eine überraschende Entscheidung. Erstmals trennte er sein Traumduo und ließ Giroux und Brière in unterschiedlichen Angriffsreihen auflaufen. Für die Iserlohner, die bis zur Umstellung so effizient gegen die beiden Superstars verteidigt hatten, sei die Aufgabe „natürlich schwieriger“ geworden, räumte Mason ein. Nun reichte es nicht mehr, sich vornehmlich auf eine Angriffsreihe der Berliner zu konzentrieren.

Es war dann aber die individuelle Klasse von Claude Giroux, die das Spiel entschied – und den von Rankel angesprochenen Ketchupflaschen-Effekt auslöste. Gut eine Minute war im Schlussabschnitt vergangen, als er frei vor Sébastien Caron stand, seelenruhig den bis dahin glänzend haltenden Keeper verlud und den Puck ins Tor schob. Für Mason kein gewöhnlicher Treffer: „Wie er das gemacht hat, wirkte wie ein Statement: Iserlohn, ihr habt keine Chance.“

Und das akzeptierten die bis dahin so gut organisierten Gäste. Den Berlinern gewährten sie nun eine Torchance nach der anderen. Und die Eisbären verwerteten diese konsequent: Travis Mulock, André Rankel und Matt Foy, der gleich zweimal traf, sorgten innerhalb weniger Minuten für eine 5:0-Führung. Dem Ehrentreffer der Iserlohner ließen Barry Tallackson und Constantin Braun noch zwei weitere Tore folgen. Jan Schröder

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