Sport : Der kleine Hermann

Österreichs Ski-Star Maier zeigt nach schlechten Resultaten Demut – zur Freude seiner Kollegen

Markus Huber[Wien]

„Doppelweltmeister. Doppelolympiasieger. Viermaliger Gesamtweltcupsieger. 47-maliger Einzel-Weltcupsieger.“ Sonst steht da nichts, wenn man auf die Startseite der offiziellen Hermann Maier- Homepage surft. Selten, dass ein Spitzensportler mit Understatement so viel Selbstbewusstsein ausgestrahlt hat, und irgendwie passte das bislang auch ganz gut zu Hermann Maier, der in den vergangenen Jahren den alpinen Skirennsport fast nach Belieben dominiert hat.

Bloß in dieser Saison war vom großen Hermann Maier noch wenig zu sehen. In der Saison 2004/2005 hat er noch kein einziges Rennen gewonnen. Mehr noch: „Seit 17 Weltcupläufen ist er ohne Sieg“, notierte die Wiener Info-Illustrierte „News“, Mitte der Woche beunruhigt.

Tatsächlich ist vom großen Maier, der in der Sportpresse wahlweise „Dominator“ oder noch lieber „Herminator“ genannt wurde, derzeit nur noch ein kleiner Hermann übrig. Er ist zwar immer noch Vierter im Gesamtweltcup, aber das täuscht – weder technisch noch bei den Kraftwerten ist der 32-Jährige auf höchstem Niveau. Seine Carving-Schwünge sind nicht mehr schnell genug, er fährt nach Angaben seiner Trainer zu sehr auf der Kante. Im Super-G und in der Abfahrt läuft es zwar besser als im Riesenslalom, aber auch hier waren mehrere Kollegen schneller. Maiers vierter Platz beim Lauberhorn-Rennen in Wengen war sein bisher bestes Abfahrtsergebnis in dieser Saison. Die Folge: Maier ist in der Rangliste der österreichischen Abfahrer derzeit nur die Nummer fünf – bei der WM in Bormio sind aber nur vier Österreicher startberechtigt. Heute beginnen die Weltcup-Rennen in Kitzbühel, heute findet der Super-G statt, morgen die Abfahrt, und in Kitzbühel muss Maier einen Platz unter den ersten drei erreichen, um sich für die WM zu qualifizieren.

Der Körper des 32-jährigen Salzburgers spielt aber nach sieben Jahren in der Weltspitze nicht mehr so mit wie früher. Die Folgen der diversen, zeitweise sehr schweren Verletzungen, die Maier erlitten hat, machen sich immer stärker bemerkbar. Zwar hatte Maier 2003 das vielleicht verrückteste Comeback der Skigeschichte geliefert: 18 Monate nach einem schweren Motorradunfall und nur 13 Tage nach seinem ersten Weltcup-Rennen gewann Maier den Super-G in Kitzbühel: Doch das damals verletzte rechte Bein ist immer noch nicht kräftig genug.

All das hat dazu geführt, dass Maier, Österreichs bestbezahlter und vielleicht auch arrogantester Sportler, merklich leiser geworden ist. Früher hatte der Sieger Maier grantig erklärt, er sei schlecht gefahren, weil sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten nur eine halbe Sekunde betrug. Jetzt freut er sich bereits über vierte Plätze. Der einstige Ausnahmefahrer besitzt längst nicht mehr so viele Privilegien im Österreichischen Skiverband wie noch 2004, was seine Teamkollegen durchaus wohlwollend registrieren. Ein österreichischer Spitzenfahrer sagt: „Vielen von uns tut es gut, dass der Hermann so kämpfen muss. Das holt ihn bestimmt runter.“

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