Sport : Der kleine Riese

Die WM soll Japan einen Basketballboom bringen

Benedikt Voigt

Berlin - Als Florian Wanninger vor einiger Zeit den bekanntesten japanischen Basketballspieler Yuta Tabuse auf einem Werbeplakat für die Basketball-Weltmeisterschaft abbilden wollte, hatte Japans Trainer etwas dagegen. Weil für Japaner die Gemeinschaft wichtiger ist als das Individuum? Nicht ganz, sagt Florian Wanninger, Kommunikationschef des Basketball-Weltverbandes Fiba, „der Trainer ist ein Kroate.“

Der japanische Trainer heißt Zeljko Pavlicevic, und er hatte einen einfacheren Grund, sich gegen ein Poster mit Yuta Tabuse auszusprechen. Der Kroate hat den ehemaligen NBA-Spieler von den Phoenix Suns erst gar nicht in seinen Kader aufgenommen. „Tabuse hat noch in der Sommerliga der NBA gespielt, um sich für ein neues Team zu bewerben“, berichtet Wanninger, „zu diesem Zeitpunkt aber hatte Pavlicevic schon mit der WM-Vorbereitung begonnen.“ Der beste japanische Spieler wird also fehlen, wenn der Gastgeber in Hiroshima am Samstag (6 Uhr, live im DSF) gegen Deutschland die Basketball-Weltmeisterschaft eröffnet.

Die Fiba will mit der Weltmeisterschaft in Japan einen neuen, finanzkräftigen Markt für Basketball erschließen. „In Japan gibt es eine sehr breite Basis für unseren Sport“, sagt Wanninger, „Basketball zählt nach Baseball und Fußball zu den drei populärsten Sportarten in der Highschool und in der Universität.“ Danach fehle es allerdings an Kontinuität. So gibt es gegenwärtig keine Profiliga in Japan. Sie war für dieses Jahr geplant und soll nun 2007 starten. „Wir hoffen auf einen ähnlich positiven Effekt wie nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea“, sagt Wanninger, „der Vorverkauf lief überraschend gut, wenn man die hohen Preise bedenkt.“ Die teuersten Karten kosten rund 200 Euro. Die Vorrundenspiele in Hiroshima, wo die japanische Mannschaft spielt, und in Sapporo sind bereits ausverkauft. Für die Endrunde in Saitama gibt es in der 22 000 Zuschauer fassenden Halle nur noch Karten für die Platzierungsspiele.

Die japanische Mannschaft dürfte es so weit nicht schaffen. Sie gilt in der Gruppe B mit Deutschland, Spanien, Neuseeland, Panama und Angola als Außenseiter. Zumal das Team von Trainer Zeljko Pavlicevic klein ist – für Basketballmaßstäbe. Die größten Spieler sind die Zwillinge Joji und Kosuke Takeuchi mit jeweils 2,05 Metern. Die Webseite der Fiba meldet für das übrige Team eine durchschnittliche Größe von 1,92 Meter. Deutschlands größte Spieler Dirk Nowitzki, Patrick Femerling und Jan-Henrik Jagla messen jeweils gleich 2,13 Meter. „Wir wissen nicht viel über die Japaner, sie sind sehr klein, schnell und wuselig“, sagt Deutschlands Trainer Dirk Bauermann. Immerhin muss er seine Mannschaft nicht mehr auf den nur 1,75 Meter kleinen Tabuse einstellen.

Auf die Werbeplakate in Japan sind nun ein dribbelnder Sumoringer und ein Basketballer gezeichnet, der über dem Fudschijama fliegt. „Die Stereotype haben dem japanischen Organisationskomitee nicht gefallen“, sagt Wanninger, „aber die Leute auf der Straße finden das gut, die Japaner mögen Comics.“ Manche Stereotype über Japan treffen offenbar doch zu.

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