Sport : Der Klub bin ich

Die Patriarchen aus der Loge der Bundesliga-Geschichte

Energie Cottbus geht es noch schlechter, als es ein Blick auf die Tabelle der Bundesliga vermuten ließe. Nach der Entlassung von Petrik Sander sind die Cottbuser erst einmal ihren Trainer los, aber ihren Präsidenten noch lange nicht los: Der allmächtige Ulrich Lepsch ist zurzeit die Hassfigur vieler Energie-Fans. Längst macht die Phrase vom Vereinspatriarchen die Runde. Dabei ist Ulrich Lepsch erst seit 2006 im Amt und Energie nicht so sehr sein Verein, wie es bei manch anderen Präsidenten anderorts schon der Fall war. Eine Auswahl (mit Absicht ohne Jägermeister-Günter-Mast, Martin Kind, Manfred Ommer und wen es das sonst noch alles gab):

Der Trainer-Präsident. Jean Löring war Fortuna Köln. Von 1967 bis 2001. Er führte den Klub sogar bis in die Bundesliga (1973/1974). Der Präsident bezeichnete die Fortuna gerne als sein „Vereinche“, das kostete ihn über die Jahre geschätzte 15 Millionen Euro. Und am liebsten machte der Präsident alles alleine: In der Bundesliga ernannte er sich schon mal zum Trainer, was er nach drei erfolglosen Spielen wieder aufgab – und dann ein Vierteljahrhundert später noch einmal versuchte, in jener berühmten Episode mit Toni Schumacher: Löring entließ ihn als Fortunas Trainer am 15. Dezember 1999 in der Halbzeitpause des Spiels gegen Waldhof Mannheim beim Stand von 0:2. „Hau ab, du Wichser“, soll Löring zu Schumacher gesagt haben, mitten in die Kabinenpredigt des ehemaligen Nationaltorwarts hinein. Schumacher fuhr nach Hause, Löring coachte und verlor 1:5. „Ich als Verein musste reagieren“, sagte er später. Und der Verein ging unter, als es dem Präsident schlecht ging: Lörings Elektro- und Rohrleitungsbauunternehmen geriet in Schieflage, und Fortuna musste in die Insolvenz. Heute spielt der Klub nach dem Konkurs (2004/2005) in der fünftklassigen Verbandsliga Mittelrhein und muss ohne den 2005 verstorbenen Löring auskommen.

Der Schalker Sonnenkönig. Der Mediziner Günter Eichberg investierte Millionen in seinen FC Schalke 04. „Sonnenkönig“ nannten sie ihn auf Schalke, und der König machte Schulden, deren Ausmaß erst ansatzweise deutlich wurde, nachdem er vom Klub 1993 flüchtete. Immerhin hinterließ Eichberg ein paar lustige Anekdoten: So etwa die mit der Beerdigung des Schalker Idols Ernst Kuzorra aus dem Jahr 1990: Eichberg verpasste den offiziellen Termin. Also ließ er die Beerdigungsfeierlichkeiten kurzerhand wiederholen.

Der Papa-Patriarch. Ausgerechnet der Kiezklub unweit der Hamburger Reeperbahn hatte einen Präsidenten, der mit Sicherheit eine andere politische Partei wählte als der Großteil der Fans des FC St. Pauli. Heinz Weisener war Anhänger der CDU. Der gutsituierte Architekt führte den Hamburger Traditionsklub von 1990 bis zum Jahr 2000 mit hanseatischer Zurückhaltung. Die Fans nannten ihn „Papa Heinz“, mehrfach rettete er den Klub durch sein Geld vor dem drohenden Ruin. Doch der Kiezklub wollte irgendwann nicht mehr abhängig sein, Heinz Weisener wurde mehr oder wenig zum Rückzug gezwungen.

Der Macht-Schnauzer. Zwölf Jahre lang war der mächtige Schnauzbart des Karl-Heinz Wildmoser das Zielobjekt der Kameras auf der Tribüne von 1860 München. Wildmoser führte den Traditionsklub mit Geld und gesellschaftlichem Einfluss aus der Bayernliga zurück in die Bundesliga. Bei den Fans allerdings war Wildmoser am Ende eher unbeliebt, viele meinen, der Träger des Bundesverdienstkreuzes – übrigens auch Mitglied bei Bayern München – habe das Herz des Klubs durch das gemeinsame Errichten der neuen Arena mit dem Erzrivalen verkauft. Über den Stadionbau stolperte Wildmoser schließlich: Im März 2004 wurde er mit seinem Sohn Karl-Heinz Wildmoser junior, der gleichzeitig Geschäftsführer von Klub und Arena GmbH war, festgenommen und saß für drei Tage in Untersuchungshaft. Vorwurf: Veruntreuung und Bestechung. Später wurde der Sohn verknackt und der Vater freigesprochen. Wildmoser senior sagte nach seiner Entlassung: „Der ganze Knast bestand aus 60er-Fans. Alle waren sehr nett zu mir. Fast wäre ich gern noch geblieben.“ Doch er ging, trat als Präsident zurück und hinterließ den Klub in einem finanziell desaströsen Zustand, von dem sich 1860 nun so langsam erholt.

Der Nicht-Bochumer. Die SG Wattenscheid 09 ist inzwischen bis in die Verbandsliga durchgerutscht. Von 1990 bis 1994 kickte der Klub sogar mal in der Bundesliga, weil Textilunternehmer Klaus Steilmann das so wollte. Seine Tochter Britta war dabei sogar die erste weibliche Managerin der Bundesliga. Lange ist es her. Wer in der Region hochklassigen Fußball schauen will, muss zum VfL Bochum gehen: Heute illustriert Klaus Steilmann immerhin noch an seinem Auto, dass er Gegner der Eingemeindung Wattenscheids nach Bochum ist. Er fährt deshalb noch heute ein Auto mit Essener Kennzeichen.

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