Sport : Der Klub, der aus der Kälte kommt

Die Augsburger Panther geben weniger Geld aus als die Konkurrenz – und spielen trotzdem in den Play-offs

Claus Vetter

Berlin - Vor ein paar Wochen hatten die Moderatoren von Premiere einen ungewöhnlichen Einfall. Vor der Übertragung eines Eishockey-Spiels aus dem Augsburger Curt-Frenzel-Stadion füllten sie eine Eiswürfelform mit Wasser. Nach der Schlusssirene waren die Eiswürfel fertig. Derart kalt war es im Stadion. Karl-Heinz Fliegauf, Manager der Augsburger Panther, fand die Idee wenig amüsant. „Das sind so Dinge, mit denen du in Augsburg halt leben musst.“ Die betagte Arena ist an einer Seite offen, im Winter kann es frostig werden. Fliegauf versteht, dass das wenig attraktiv für die Besucher ist. „Bei minus zehn Grad überlegt sich jeder normale Mensch, ob er sich das antut.“

Am Sonntag waren die Temperaturen milder. Doch nicht deshalb rückten 7800 Zuschauer im ausverkauften Curt-Frenzel-Stadion eng zusammen: Mit einem 4:3 gegen Iserlohn sicherten sich die Panther am letzten Spieltag der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) die Teilnahme an den Play-offs. Dort spielen sie ab Freitag in der „Best-of-seven“-Serie gegen die Berliner Eisbären – als Außenseiter. Aber das war den Schwaben am Sonntag egal: Rang sieben nach der Hauptrunde ist für Augsburg die beste Platzierung seit 33 Jahren.

Seit elf Jahren ist der Klub in der DEL, sechsmal erreichte er die Endrunde – mit finanziellen Mitteln, bei denen sich mancher Großstadtklub der Liga freiwillig vom Spielbetrieb abmelden würde. In Augsburg seien nur „ein paar größere Firmen da“, sagt Fliegauf. „Für unsere Spieler geben wir ein Drittel von dem aus, was die Freezers für ihr Personal bezahlen.“ Die Hamburger haben sich am letzten Spieltag als Achter in die Play-offs gerettet – hinter den Panthern.

Der Augsburger Manager sagt, seine Aufgabe sei ein „einziger Zyklus“. Vor jeder Saison muss Fliegauf ein neues Team zusammenstellen. „Wenn ein Nordamerikaner bei uns einschlägt, dann spielt er ein Jahr später anderswo, weil dort mehr gezahlt wird.“ Bei den Deutschen verhält es sich nicht anders. Die Stürmer Ronny Arendt und Björn Barta haben diese Spielzeit derart überzeugt, dass sie nach der Saison den Arbeitgeber wechseln. Selbst Trainer Benoit Laporte wird gehen, er hat bereits einen lukrativeren Vertrag in Nürnberg unterschrieben. Nur sechs Spieler haben für das kommende Jahr einen Vertrag – darunter sind vier Deutsche als Nachwuchs. „Ich verstehe die Spieler“, sagt Fliegauf. „Ich sage unseren neuen Spielern immer: Bei uns hast du die Chance, dich in der DEL zu etablieren, später kannst du bei einem anderen Klub mehr Geld verdienen.“

In Berlin, sagt Fliegauf, sei das Modell natürlich undenkbar. „In so einer Großstadt musst du deinen Fans Stars präsentieren.“ Der Außenseiter sieht seine Chance in der Viertelfinalserie gegen die Eisbären nicht als groß an. In der Hauptrunde siegte Berlin dreimal, Augsburg nur einmal. „Die Eisbären sind das stärkste Team der Liga“, sagt Trainer Laporte. Fliegauf fügt hinzu: „Wir werden uns nicht so leicht geschlagen gegeben.“

Auf den Kältebonus im Curt-Frenzel-Stadion, wo „der Gegner friert und dann schon mal leichter verliert“ (Fliegauf) kann Augsburg gegen die Eisbären nicht bauen: In den kommenden Tagen wird es wärmer. Fliegauf hofft ohnehin, dass es langfristig mit der Friererei ein Ende hat. Im Sommer wird entschieden, ob in Augsburg eine Arena für 9000 Zuschauer gebaut wird. Sollte das lückenlos geschlossene Stadion kommen, würden für die Panther wärmere Zeiten anbrechen – auch aus infrastruktureller Sicht.

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