Sport : Der kluge Trainer

Frankreich taktiert gut beim 3:1 gegen die Schweiz

Oliver Trust[Coimbra]

Jörg Stiel hatte da so eine fixe Idee. „Wir müssen druckvoller spielen“, forderte der Torhüter der Schweizer Nationalelf. Seine Mannschaft hatte schließlich in zwei Spielen bei der Europameisterschaft noch kein Tor geschossen. Ehrenwerte Absichten sind das, die Stiel da vertrat, aber wenn dann Frankreich der Gegner ist, sind solche Vorsätze halt nur schwer umzusetzen. Die Schweiz schaffte zwar tatsächlich nach 206 Spielminuten ihr erstes Tor, aber damit nicht den ersten Sieg. 3:1 (1:1) gewannen die Franzosen das Spiel der Gruppe B. Das Ergebnis bedeutet: Die Schweiz kann nun aus Portugal abreisen, Frankreich sieht sich im Viertelfinale am Freitag Griechenland gegenüber.

Aber die Franzosen werden sich steigern müssen. Sie fanden gegen die Schweiz über weite Strecken zu keinem Spielfluss. Da stand eine Mannschaft auf dem Rasen, in der zwar viele exzellente Einzelspieler stecken, die in vielen Phasen aber nicht harmonieren und im Zusammenspiel kaum Kreativität entwickeln. Die unfreiwillige Mithilfe von Jörg Stiel war nötig, damit die Franzosen in Führung gehen konnten. Einen Eckball von Robert Pires bekam Stiel beim Herauslaufen nicht richtig zu fassen. Zinedine Zidane nickte den Ball mit dem Kopf ein, bereits sein drittes Tor bei dieser Europameisterschaft. Danach erwischte Frankreich eine starke Phase, die Schweiz schien im Kombinationswirbel des Gegners ein bisschen die Orientierung zu verlieren. Henry vergab das 2:0, als er einen Flugkopfball in aussichtsreicher Situation neben das Tor setzte.

War es Hochmut oder nur eine Unkonzentriertheit, als Frankreichs Abwehrspieler Silvestre mit einem Fehlpass im Mittelfeld den Schweizern plötzlich unerwartete Hilfestellung gab. Blitzschnell stießen die Männer in den rot-weißen Trikots in die sich auftuenden Lücken, Ricardo Cabanas nutzte die Möglichkeit zu einem bahnbrechenden Pass, Johan Vonlanthen vollstreckte zum 1:1.

Vonlanthens Treffer erreichte sogar historische Dimensionen: Er ist mit seinen 18 Jahren nun der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten. Übertroffen hat er den Engländer Wayne Rooney, der bei seinem Tor zum 3:0 gegen die Schweiz am vergangenen Donnerstag rund drei Monate älter war.

Nach dem Ausgleichstor der Schweizer verkrampften die Franzosen. Die elegant-filigranen Aktionen, die man dieser Elf gemeinhin zutraut, gab es 50 Minuten lang kaum zu sehen. Die Schweizer standen in der Deckung sicher, brachten ihrerseits aber nach vorne hin auch kaum bedrohliche Aktionen zustande. Ein Glücksgriff von Frankreichs Trainer Jacques Santini entschied schließlich die Partie. Er schickte bei einer Spielunterbrechung wegen eines Freistoßes Louis Saha aufs Feld. Der Freistoß in Höhe der Mittellinie wurde ausgeführt, Saha verlängerte den Ball per Kopf zu Thierry Henry, der schoss zum 2:1 ein (76.). Gegen resignierende Schweizer glückte Henry auch noch das 3:1 (84.).

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