Sport : Der König bleibt im Exil

Der Transfer von Wichniarek nach Bielefeld scheitert aus finanziellen Gründen

Maciej Garbolinski,Stefan Hermanns

Berlin - Die Hoffnung starb bereits weit vor Mitternacht. Artur Wichniarek ahnte schon am Montagnachmittag, dass aus seiner kurzfristigen Rückkehr zu Arminia Bielefeld wohl nichts werden würde. Bis null Uhr hätte der Wechsel des Stürmers von Fußball-Bundesligist Hertha BSC noch abgewickelt werden können. Die Vorstellungen der Verhandlungspartner lagen am Ende jedoch zu weit auseinander. Am Wochenende war der polnische Stürmer auf seinen Wunsch hin noch auf die Transferliste gesetzt worden, am Sonntagabend führte Herthas Manager Dieter Hoeneß erste Gespräche mit dem Konkurrenten aus Bielefeld, am Montag wurden die Verhandlungen dann ohne Erfolg beendet. „Ich habe das von Anfang an nicht mit sehr großen Hoffnungen betrieben“, sagt Hoeneß.

Ganz anders Artur Wichniarek. Der wollte unbedingt zurück zu Arminia Bielefeld. Hertha wäre sogar bereit gewesen, den früheren polnischen Nationalstürmer abzugeben, obwohl Trainer Falko Götz dann erst einmal nur noch zwei Stürmer zur Verfügung gehabt hätte: Nando Rafael und Fredi Bobic. Der gerade verpflichtete Ilhan Mansiz ist noch verletzt und wird frühestens in einigen Wochen für Hertha spielen können. Der Weggang Wichniareks „wäre ein gewisses Risiko für uns gewesen“, sagt Manager Hoeneß, zumal der Verein bis zum Ende der Transferperiode keinen Ersatz mehr hätte verpflichten können. Hertha wollte deshalb zumindest einen finanziellen Vorteil aus dem Transfer ziehen. Wichniarek aber, der in Bielefeld deutlich weniger verdient hätte als in Berlin, soll eine Kompensation für die Auflösung seines Vertrages verlangt haben. Er selbst sagt zu den Verhandlungen: „Ich weiß nur, dass die beiden Klubs sich nicht geeinigt haben.“

Die Enttäuschung über die gescheiterte Rückkehr zur Arminia ist Wichniarek deutlich anzumerken – und durchaus verständlich: In Bielefeld wurde der Pole noch als „König Artur“ gefeiert, in Berlin ist er nie richtig glücklich geworden. „Bei Arminia hätte ich es auf jeden Fall einfacher“, sagt Wichniarek. „Da gibt es Leute, die mich und meinen Wert kennen und die mir sicherlich helfen würden.“

Seit seinem Wechsel nach Berlin im Sommer 2003 hat Wichniarek lediglich 30 Bundesligaspiele bestritten, davon nur drei über die komplette Distanz. „Die 18 Monate bei Hertha sind ohne Zweifel die schwierigste Erfahrung in meiner bisherigen Karriere“, sagt er. Anfang September, am vierten Spieltag dieser Saison, stand der 27-Jährige zuletzt in Herthas Anfangself. Gegen die Bayern gehörte er am Sonntag zwar dem Kader an, als Mittelstürmer Nando Rafael jedoch zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde, durfte Fredi Bobic für ihn aufs Feld, nicht Wichniarek.

„Wer Tore schießt, der spielt“, sagt Trainer Falko Götz. Bisher hat Wichniarek in seiner Berliner Zeit erst zweimal getroffen, beide Male in der vorigen Saison. „Wenn Nando sich weiter so entwickelt, werden die Chancen, die Artur bekommt, weniger“, sagt Götz. Noch weniger.

Trotzdem will Wichniarek seinen Vertrag bei Hertha (bis 2007) nun erfüllen. Sagt er zumindest. „Ich werde jetzt nicht weinen. Das hätte mit Professionalität nichts zu tun.“ Auch Manager Dieter Hoeneß sagt: „Es bleibt kein Zorn zurück.“ Und Trainer Falko Götz bescheinigt seinem Stürmer, sehr trainingsfleißig zu sein. Deshalb erwarte er jetzt auch keine Probleme mit Wichniarek. „Artur hat einen unheimlich guten Charakter“, sagt Götz. Allerdings ist die Mannschaftsaufstellung keine Frage des Charakters.

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