Sport : Der Königliche

Spanien empfängt seinen Formel-1-Helden: Fernando Alonso

Karin Sturm

Barcelona. Die langen, dunklen Haare versteckt Fernando Alonso hinter einem Piratentuch, und normalerweise trägt er auch einen Drei-Tage-Bart. Das Image des jungen Wilden spielt Alonso perfekt. Doch jetzt, zu seinem Heim-Grand-Prix in Barcelona, tauchte der Spanier erstmals in dieser Saison glatt rasiert an der Rennstrecke auf. „Wahrscheinlich, weil er Besuch vom König bekommt“, wie so mancher spottete.

Zum Formel-1-Rennen am Sonntag wird nicht nur Spaniens König Juan Carlos erwartet. Es haben sich auch Spaniens Kronprinz Felipe und seine Verlobte Letizia Ortiz für den Grand Prix angekündigt.

Die Präsenz des Adels passt gut zur großen Begeisterung der Spanier, die die Formel-1-Branche durch Fernando Alonso lieben gelernt haben. Als er im letzten Jahr in Barcelona Zweiter wurde, war das noch eine große Überraschung. Doch inzwischen hat Alonso den ersten Grand Prix seiner Karriere gewonnen, 2003 in Ungarn nämlich. Und schon stellt eine Nation große Ansprüche an ihren Fahrer. Der Renault-Pilot gilt als einer der potenziellen Nachfolger von – Michael Schumacher.

Rund um die Rennstrecke dominieren die Farben seiner Heimatprovinz, Blau und Gelb, und wie zufällig sind dies auch die Farben Renaults. „Es ist ein ganz besonderes Gefühl, zu sehen, dass 100 000 Zuschauer kommen und fast alle von ihnen diese Fahnen dabei- haben.“ Alonso versucht, sich durch die Erwartung nicht zusätzlich unter Druck setzen zu lassen: „Die besondere Aufmerksamkeit, die ich hier genieße, ist für mich nur zusätzliche Motivation.“ Natürlich müsse er darauf achten, „dass der ganze Wirbel wegen meiner Person nicht meine Vorbereitung beeinträchtigt“, aber im Prinzip sei die große Unterstützung der vielen Spanier „ein gewaltiger Ansporn“ für ihn. „Ich bin noch konzentrierter, noch fokussierter.“

Nach vier Saisonrennen und zwei schlechten Qualifyings hat die Kritik jedoch zugenommen, vor allem im Ausland. Der Generalvorwurf lautet: Er habe eben doch nicht die Nerven, all die hohen Erwartungen zu erfüllen. Einerseits ärgert Alonso diese Kritik, „andererseits muss ich damit leben. Das bringt mich nicht aus der Ruhe.“

An Selbstbewusstsein mangelt es dem 23-Jährigen, den Renault-Teamchef Flavio Briatore schon mal mit dem jungen Michael Schumacher vergleicht, nicht. An Talent und außergewöhnlichen Begabungen auch nicht: „Er kann wie eine Maschine arbeiten", sagt sein Manager, der spanische Ex-Rennfahrer Adrian Campos. Auch Renault-Technikchef Pat Symonds lobt seine disziplinierte, konzentrierte und emotionslose Arbeitsweise: „Da ist er ganz unspanisch, aber das ist ja nur gut.“

Auch Pat Symonds, der einst bei Benetton Schumacher zu zwei WM-Titeln führte, sieht gewisse Parallelen: „Vergleiche sind natürlich immer schwierig, aber dass Fernando sehr viel Potenzial hat und auch für sein Alter sehr reif ist, steht außer Frage.“ Doch nicht nur technische und fahrerische Reife bewies Alonso in diesem Jahr. Kurz nach den Terroranschlägen von Madrid zeigte Alonso, dass er auch menschlich weiter ist als viele seiner Altersgenossen. Wie er mit dem Thema umging – zurückhaltend, aber sichtlich berührt – beeindruckte viele: „Ich war schockiert, sehr betroffen, traurig, vor allem, weil ganz normale Menschen wie du und ich betroffen sind, Arbeiter, Kinder, Jugendliche“, sagte er damals – und die Betonung lag vor allem auf „Menschen wie du und ich“.

Als solcher sieht Alonso sich nämlich noch immer. So stört es ihn oft schon, „dass ich jetzt zu Hause kaum noch mit meinen Freunden einfach in eine Kneipe gehen kann“, sagt er. In England, wo er derzeit hauptsächlich wohne, gehe es schon eher, „und das genieße ich dann ausgiebig“ – was immer das heißen mag.

Ob er seinen Fans am Sonntag wieder ein großes Geschenk machen kann wie im vorigen Jahr mit dem zweiten Platz, das kann er nicht garantieren. Knapp hinter Ferrari war sein Team in diesem Jahr nur in Australien, „ansonsten hat uns einiges gefehlt“, sagt er. „Ich möchte keine zu optimistischen Prognosen abgeben.“ Das Einzige, was er garantieren könne, sei Folgendes: „Ich werde 200 Prozent geben, weil es ein ganz spezielles Rennen für mich ist.“ Eine Nation wird genau hinschauen.

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