Sport : Der Krisengewinnler

Wie sich Christoph Menz bei Union etabliert hat

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Festgespielt. Christoph Menz gehört inzwischen zum Unioner Stamm. Foto: Ottke
Festgespielt. Christoph Menz gehört inzwischen zum Unioner Stamm. Foto: OttkeFoto: Harald Ottke

Berlin - Darauf, dass Christoph Menz jetzt vorlaut wird, kann man lange warten. Dafür ist der junge Mann, der für einen Fußballer fast ein wenig zu schlacksig wirkt, einfach nicht der Typ. Sachlich und ruhig, das sind die Eigenschaften, die am ehesten auf ihn zutreffen. Das sagt Menz selbst. Genügend Gründe für lautere Töne hätte der Profi des 1. FC Union aber allemal. Still und leise, so wie es seinem Naturell entspricht, hat er sich in dieser Saison in die Stammformation des Berliner Zweitligisten gespielt.

Während zuletzt über so ziemlich alle Positionen im Team der Köpenicker eifrig diskutiert wurde, stellte den Platz auf der rechten Verteidigerseite niemand in Frage. Während vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen am Sonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei, live bei Sky) vor allem die Besetzung der Torwartposition mit Spannung erwartet wird, ist sich der 21 Jahre junge Menz sicher, dass er von Beginn an aufläuft. „Ich bin von Spiel zu Spiel besser geworden“, erzählt er etwas schüchtern. „Als wir Startschwierigkeiten hatten, habe ich mich angeboten und für den Trainer wohl eine gute Alternative dargestellt.“

Christoph Menz ist so etwas wie der Krisengewinnler des 1. FC Union. Seit dem vierten Spieltag, seit sich die Köpenicker jenes 1:1 gegen Liga-Häuptling Hertha BSC erkämpften, hat er alle Saisonspiele von Beginn an bestritten. Er entwickelte sich zur Konstante in einem inkonstant auftretenden Team, bei dem es nach dem schlechten Start auch schon mal unruhig wurde, wie Menz sagt. Am Sonntag soll der Verteidiger nun dazu beitragen, dass wieder Ruhe einkehrt in Köpenick.

Nicht umsonst hält auch Menz’ Trainer das Duell mit den Oberhausenern für enorm wichtig. „Wir müssen jetzt dranbleiben und mit einem Sieg eine kleine Serie starten“, sagt Uwe Neuhaus. „Dann könnten wir den Abstand zum Mittelfeld verkürzen.“

Dass Christoph Menz, der auch schon als defensiver Mittelfeldspieler auffiel, zum jüngsten Aufwärtstrend seiner Mannschaft beitragen darf, überrascht schon. Denn ursprünglich war sein Platz für Jerome Polenz reserviert. Der Neuzugang von Alemannia Aachen verzettelte sich in den ersten drei Saisonspielen jedoch zu oft und handelte sich dafür heftigste öffentliche Kritik vom Trainer ein. Statt eines 24 Jahre alten, erfahrenen Zweitligaprofis spielt bei Union nun also ein 21-jähriger Jungspund. Noch dazu einer aus dem eigenen Hause. Mit 11 kam Christoph Menz zu den Köpenickern, und seither hat er immer nur für den 1. FC Union gekickt. So jemand taugt per se schon zum Publikumsliebling An der Alten Försterei, selbst wenn er nicht den Mannschafts-Lautsprecher gibt.

Nein, auch nachdem sein Team höchst unglücklich in Augsburg verloren hatte, blieb Christoph Menz unaufgeregt. „Alles andere bringt doch nichts, man muss so etwas gleich abhaken und weitermachen“, erzählt er im Ton eines bewanderten Fußballprofis. Irgendwie ist das der Verteidiger ja auch. „Für so rasant halte ich meine Entwicklung gar nicht“, sagt der Blondschopf jedenfalls selbst. „Ich finde, dass ich zurecht regelmäßig spiele.“ Ganz selten wird Christoph Menz dann doch mal ein kleines bisschen lauter.

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