Sport : Der Kritiker will Elch werden

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Es ist ein Jammer, dass Uli Hoeneß noch nicht Präsident des Ligaverbandes ist. Dann nämlich wäre der deutsche Fußball schon jetzt ein nerviges Problem losgeworden: Joachim Löw hätte seinen Vertrag als Bundestrainer längst verlängert. Sagt Uli Hoeneß.

Es kann derzeit nur Spekulation sein, ob Uli Hoeneß ein guter Präsident des Ligaverbandes (und damit qua Amt Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Fußball- Liga) wäre; ein guter Wahlkämpfer ist er auf jeden Fall. Hoeneß beherrscht das Spiel mit den einfachen Wahrheiten. Seine Botschaft ans Wahlvolk ist denkbar simpel: Wenn ich gewählt werde, wird es allen besser gehen. Das hört sich verlockend an – und wird Hoeneß wohl trotzdem nicht ins Amt bringen. Seine Gegner nämlich vermuten noch eine Botschaft hinter der Botschaft, und die lautet: Wenn es uns besser geht, dann bestimmt nur um den Preis, dass es den Bayern noch ein bisschen besserer geht.

Auf den ersten Blick sieht es in der Tat so aus, als wolle Hoeneß von innen das vollbringen, was ihm von außen in all den Jahren nicht gelungen ist: die Liga endlich auf Bayern-Kurs zu bringen. Im Grunde hat Hoeneß die DFL immer für einen pseudokommunistischen Zirkel gehalten, für einen Umverteilungsverein, der dem Leistungsprinzip entgegensteht – und damit den Erfolg der Bayern gefährdet. Wenn der größte Kritiker der Elche nun selbst Elch werden würde, wäre das zumindest ein höchst spannendes Experiment. Fragt sich nur, wer am Ende wen schafft.

Hoeneß als Boss der DFL – warum eigentlich nicht? Als Manager und Präsident des FC Bayern München steht er für sportlichen und vor allem finanziellen Erfolg. Dass er in diesen Ämtern die Interessen der Bayern und nichts als die Interessen der Bayern vertreten hat, spricht nicht gegen ihn. Im Gegenteil: Wenn sich Hoeneß einer Sache verschrieben hat, setzt er sich auch mit seinem vollem Gewicht für sie ein. Schon deshalb würde Hoeneß als Präsident der Liga viel stärker ins operative Geschäft eingreifen, als Reinhard Rauball es je getan hat. Und trotzdem müsste niemand die schleichende Übernahme der DFL durch die Bayern fürchten. Auch Hoeneß wäre als Präsident des Ligaverbands vor allem dessen Mitgliedern verpflichtet – und nicht nur der Vollstrecker seines eigenen Willens.

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